Startschuss für die Berlioz-Renaissance
Schon zu Berlioz’ Lebzeiten galten «Les Troyens» in der fünfaktigen Version als unaufführbar. Der Komponist musste sein ehrgeizigstes Werk deshalb teilen. Was dann am
4. November 1863 unter dem Titel «Les Troyens à Carthage» im Pariser Théâtre-Lyrique zur Uraufführung kam, waren die letzten drei Akte. Die ersten beiden («La Prise de Troie») wurden zehn Jahre nach Berlioz’ Tod in konzertanter Form zum ersten Mal gegeben.
Felix Mottl, der 1890 in Karlsruhe die deutsche Erstaufführung wagte, verteilte das Werk auf zwei Abende, eine Praxis, die bei späteren Reprisen in anderen Städten gelegentlich übernommen wurde. So auch von Sir Thomas Beecham, der «Les Troyens» 1947 in London konzertant herausbrachte.
Diese Vorgeschichte muss man in Betracht ziehen, um die Aufführung der Covent Garden Opera von 1957, deren Mitschnitt jetzt von Testament veröffentlicht wird, als Pioniertat ersten Ranges einzuschätzen. Rafael Kubelik, damals Musikchef des Hauses, dirigierte; der berühmte englische Schauspieler John Gielgud führte Regie, gesungen wurde in englischer Sprache. Der Erfolg bei Publikum und Presse war gleichermaßen stark. Man kann von einem «Startschuss» für die Berlioz-Renaissance ...
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