Terminator 4
Die Badenutten in ihren weißen Frotteetüchern könnten den Abend genießen, doch die Störung ist eingeplant. «Wo bleibt Elektra? Ist doch ihre Stunde...» Vorsichtig spähen sie eine gekachelte Wand hinunter, in ein trocken gelegtes, mit Blumenerde gefülltes Becken. Dort tut sich zunächst gar nichts. Erst später hört man eine Stimme nach Agamemnon rufen, den ermordeten Herrscher von Mykene. Dann tritt Elektra hervor hinter diesem Wall aus Säcken, im schwarzen Rüschenrock, eine dunkle Braut des Untergangs, und zieht einen kleinen Baum hinter sich her.
Den Baum der Atriden? Gepflanzt in jene Erde, in die Agamemnons Leiche eingebuddelt wurde?
Das Gekachelte, eine Badeanstalt («sie schlugen dich im Bade tot», singt Elektra), geht hier eher als modernes Wellnesscenter durch. Agamemnons Blut wurde längst abgewaschen, doch es scheint noch immer nach Badreinigungsmitteln zu riechen. Später kommt Orest, merkwürdig fremd, roboterhaft starr – bis auf momentane Wallungen von Wälsungenblut gegenüber seinen Schwestern. Am Ende exekutiert er beide ungerührt mit der MP und erinnert an Arnold Schwarzeneggers Terminator. Das mag angesichts des Beckett-haften Finales von Strauss’ «Elektra» allzu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Für viele Opernfans ist die Zürcher Oper unter der Ägide von Alexander Pereira zum Fluchtpunkt ihrer Sehnsüchte geworden: Wo sonst hätte man die Möglichkeit, eine derartige Repertoirevielfalt (zumindest was die Opernliteratur vor 1930 betrifft) mit so luxuriösen Besetzungen, obendrein in vergleichsweise intimem Rahmen zu erleben? Und das auch noch in...
«Opernwelt» hatte ihn schon auf dem Cover, als ihn noch keiner kannte. Vor sieben Jahren sang Jonas Kaufmann den Florestano in Paers «Leonora». Es war eine Produktion der Oper Zürich, und der Tenor fiel uns damals sofort auf: «Er gehört ohne Frage zu den begabtesten lyrischen Tenören seiner Generation. Das dunkel leuchtende Timbre bleibt sofort im Gedächtnis», hieß...
Die viel beschworene Krise des Wagner-Gesangs ist zu wesentlichen Teilen eine des Wagner-Dirigierens. Beides hängt ursächlich miteinander zusammen. Seit Wagners Zeit haben sich nahezu alle Parameter des Orchesterklangs verändert – mit der Tendenz, den Stimmen mehr und mehr zuzumuten. Das gilt für Tonhöhe, Tonspannung und Tempi ebenso wie für Besaitung und...
