Sündenbock
Was für ein Schicksal im frühen 18. Jahrhundert: Der Jude Joseph Süß steigt als Finanzberater zum mächtigen Geheimrat am Hof des Herzogs von Württemberg auf – und wird nach dessen Tod Opfer eines von der Öffentlichkeit begeistert gefeierten Justizmordes. Kein Wunder, dass die historische Figur die Nachwelt zur Auseinandersetzung angeregt hat, vom Märchen-Erzähler Hauff über den Literaten Feuchtwanger und den Nazi-Filmer Harlan bis zum Komponisten Detlev Glanert, dessen 1999 uraufgeführte Oper in Trier nun ihre vierte Produktion erlebte.
Sie zeigt Süß im Gefängnis, kurz vor der Urteilsvollstreckung. Alptraumhaft tauchen Figuren aus seiner Vergangenheit aus, gruppieren sich zu einem Totentanz. Das Bühnenbild von Gerd Hoffmann und Arlette Schwanenberg erlaubt schnelle Wechsel zwischen der Gefängnisszene im «Keller» und dem Blick auf die Karrierestationen von Süß. Der obere Teil der Hebebühne ist mit einem Labyrinth aus hüfthohen Wänden ausgestattet, das sich in eine schiefe Ebene verwandelt, wenn die Verhältnisse umkippen. Die Akteure verlieren buchstäblich den Boden unter den Füßen.
Regisseur Sven Grützmacher, Ballettchef des Hauses, interessiert die Mechanik der Macht(verhältnisse) ...
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