Schwebeleicht
Für jene, die jede Arie dreimal umdrehen, die alles abklopfen auf Logik und Meta-Ebenen, die mit schwerem Dramaturgenwerkzeug am sperrigen Stück schrauben, basteln und löten müssen, für die ist diese Aufführung nichts. So eine «Zauberflöte» hat das Münchner Gärtnerplatztheater außerdem gerade hinter sich. Dass das Gegenteil keine seichte Niedlichkeitsoffensive sein muss, hat dort nun Rosamund Gilmore vorgeführt. Sie nimmt die «Zauberflöte» so, wie sie ist. Alles ist bei Gilmore und in der hübschen barocken Einheitsarchitektur (Friedrich Oberle) da, wo es der Normalfan vermutet.
Die Wände links sind bemalt mit der Weltall-Welt der Königin, rechts lockt Sarastros lichte toskanische Landschaft. Kein Versuch, die Brüche zu kitten. Kein Vorsatz, die Figuren zu entblößen.
Natürlich scheint Gilmores Tanz-Vergangenheit durch. Aber statt Mozart choreografisch zu verdoppeln, passiert anderes. Kleine, tänzelnde Gesten schleichen sich ein, geben dem Abend etwas Schwebeleichtes, auch Skurriles. Als Papagenos Vogelfänger-Hit anhebt, durchzuckt’s Tamino im Rhythmus. Die drei (Mozart-)Knaben schreiten ironisch-bedeutungsvoll einher. Und die drei Damen (herrlich schräg: Sandra Moon, Sibylle Specht, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Kahlenberg nennt sich der Aussichtshügel am Rande Wiens, vor dem die Donaumetropole sich hinstreckt wie ein bunt bestickter Teppich. Der Name lädt freilich auch zu einem ätzenden Wortspiel in Zusammenhang mit dem Alban-Berg-Jubiläum und den Wiener Festwochen 2010 ein. Denn Letztere feiern die 125. Wiederkehr des Geburtsjahrs dieses Komponisten mit einem ziemlich...
Ende gut, alles gut? Fast. Gewiss scheint, dass der Freiburger «Ring des Nibelungen» nach einem im szenischen Niveau schwankenden «Siegfried» mit der «Götterdämmerung» in ein Finale mündete, das oft überwältigend gelang. Die schiere Makellosigkeit, ja, den Glanz, den Fabrice Bollon mit dem spürbar an der örtlichen SWR-Konkurrenz gewachsenen Philharmonischen...
Gerade weil er so weltfremd wirkt, ist Don Quichotte der Welt seit einem halben Jahrtausend nah. Was er sagt und denkt, mag illusionistischer Blödsinn sein, sein Wirklichkeitsausschnitt naiv, seine Hoffnungspalette dümmlich. Trotzdem steckt darin mehr Wahrheit und Wirklichkeit als in vielen realistischen Diagnosen. So wuchs die Figur zum Mythos: offen für viele...
