Subtile Zeichen
Irgendjemand muss die Sache ausgepackt haben. Ganz vorsichtig, so wie es die Schriftzüge auf den Kulissenteilen («Fragile», «Handle with care!») empfehlen. Auch weil man dem Stück ja nicht mit der Pranke beikommen kann: Jules Massenets «Werther» ist ein Drama aus dem Reich der Zwischentöne, eine Studie der feinnervigen, mal eindeutigen, mal kaum wahrnehmbaren Kraftfeld-Verlagerungen, aus der Entäußerungen à la «Pourquoi me réveiller» wie Notwehraktionen vereinsamter Individuen herausragen.
Und gerade, weil Realismus und das grobe Sezierbesteck nichts taugen, hat das Theater Augsburg sehr viel richtig gemacht.
Hausherr André Bücker entwirft mit Jan Steigert (Bühne) und Suse Tobisch (Kostüme) ein System der subtilen Zeichen. Bleichgesichter, vielleicht Untote sind es, die sich in fast stilisierter Choreografie, gekleidet in schwarzes Rokoko, umkreisen. Das so hemmende gesellschaftliche System wird widergespiegelt in prätentiösen Gesten. Unberührbare sind Charlotte und Werther, einmal fassen sie sich an den Händen. Es ist das höchste der Gefühle.
Kirche, Zimmer und Baum im Kartonschick, alles fahrbar wie im Theater-auf-dem-Theater, markieren die Szene. Krähen sitzen in den Zweigen. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2019
Rubrik: Panorama, Seite 30
von Markus Thiel
alpha
04.04. – 16.00 Uhr
Camille Saint-Saens: Le carnaval des animaux
Münchner Jugend-Symphonie-Orchester, ML: Schoener
arte
01.04. – 05.00 Uhr
Simon Rattle dirigiert die Berliner Philharmoniker
Lucerne Festival 2015
Auf dem Programm: Werke von Mozart und Haydn.
02.04. – 05.00 Uhr
Epochen der Musikgeschichte – Barock
Die vierteilige Reihe dokumentiert die...
Unweit des Theaters an der Wien, im Kunsthistorischen Museum, sitzt der Kunstkritiker und Misanthrop Reger, vornamenloser Protagonist in Thomas Bernhards «Alte Meister», und grantelt: «Immer wieder nur ein Antlitz, kein Gesicht. Immer wieder nur ein Haupt, kein Kopf.» Dabei blickt er auf Gemälde von Velázquez, Giotto, Dürer. Auch im Bereich der musikalischen...
Die Würfel sind gefallen: In einer nichtöffentlichen Sitzung hat der Aufsichtsrat des Theaters Halle gegen eine Verlängerung des Vertrags mit Opernintendant Florian Lutz votiert. Damit wird Lutz, der seit 2016 die künstlerische Verantwortung für die Oper Halle trägt, das Haus spätestens 2021 verlassen. Der öffentlich ausgetragene Machtkampf zwischen Opernleitung...
