Im Kern richtig
Unweit des Theaters an der Wien, im Kunsthistorischen Museum, sitzt der Kunstkritiker und Misanthrop Reger, vornamenloser Protagonist in Thomas Bernhards «Alte Meister», und grantelt: «Immer wieder nur ein Antlitz, kein Gesicht. Immer wieder nur ein Haupt, kein Kopf.» Dabei blickt er auf Gemälde von Velázquez, Giotto, Dürer. Auch im Bereich der musikalischen Tafelbilder recte Oratorien könnte er in dieser Hinsicht fündig werden – manches dieser Werke suhlt sich im religiösen Wohlfühlbereich der Hagiografie.
Ganz anders Mendelssohns «Elias».
Denn hier ist das Devotionalische weggedrückt. Der Komponist zeichnete mit einer seiner vergleichsweise wohl rabiatesten, vom diabolus in musica, dem Tritonus, durchtränkten Partituren ein äußerst menschliches Bild des «donnernden» Propheten in Erfolg und Scheitern. Um dies szenisch sichtbar zu machen, holte das Theater an der Wien den Regisseur Calixto Bieito: für manchen ein Gottseibeiuns des Theaters, ein diabolus in scena.
Es war Bieitos offizielles Regiedebüt in Wien; kaum bekannt dürfte freilich sein, dass er bereits 1986 als Assistent von George Tabori an dessen legendärer Inszenierung von Leoncavallos «Bajazzo» an der Wiener ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhard Persché
Gewagtes Bild. Gemalt hat dieses Porträt, das in der Dresdner Gemäldegalerie hängt und den Titel «Die Gambenspielerin» trägt, um 1640 Bernardo Strozzi, ein venezianischer Künstler, für den auch Monteverdi Modell stand. Es zeigt eine junge Frau mit ernst-traurigem Blick, einem Rosenzweig im Haar, die Gambe samt Bogen in der Linken, den rechten Arm lässig auf ein...
Ein Lächeln, hinter dem sich eine unversehrte Vergangenheit verbirgt: Wir können uns nicht erinnern, wo wir diesen sinngemäß rekapitulierten Satz gelesen haben. Stammt er aus Pascal Merciers «Klavierstimmer»? Auf jeden Fall blieb er in sicherer Erinnerung und fällt uns beim Anhören von Jodie Devos’ Recital «Offenbach colorature» ein. Die junge Belgierin mit der so...
In Verdis Entwicklung nimmt die Vertonung von Shakespeares «Macbeth» eine Schlüsselstellung ein. Mit ihr stellte er 1847 zum ersten Mal die überkommene Form des italienischen Melodramma infrage und versuchte «die Musik mit dem Drama zu verschmelzen». Eine Oper ohne Liebeshandlung mit nur zwei Hauptdarstellern und dem Chor im Zentrum war für die italienische Bühne...
