Stimmungsmacher
Unheimliche Dinge vernahm man über den Beginn des neuen Werks. Ein ohrenbetäubendes Dröhnen soll bei der Premiere die Plüschbestuhlung im ehrwürdigen Brüsseler Opernhaus zum Zittern gebracht und die Ankunft des Raumschiffs apokalyptisch begleitet haben.
Bei der fünften Vorstellung wollte man dem Publikum dann offenbar nicht mehr die volle Dosis des akustischen Infernos zumuten: Das Grummeln, Pfeifen, Rauschen war auf das Niveau eines Rockkonzerts im Altersheim gedrosselt, während man die Projektion einer Art Raumstation oder Kommandozentrale in einer unwirtlichen Schneelandschaft erkennt.
Die frostige Atmosphäre wird uns ständig begleiten in dem zweistündigen Werk, mit dem Mark Grey (Musik) und Júlia Canosa (Libretto) die Geschichte von Victor Frankenstein und seiner Kreatur aufgefrischt haben. Dabei wird Mary Shelleys Gruselgeschichte vom künstlichen Menschen, der sich für seinen Schöpfer und die Menschheit zum Albtraum entwickelt, hier wie durch eine vereiste Scheibe betrachtet. Man erinnere sich: 1816, als Westeuropa und die USA ein unheimliches «Jahr ohne Sommer» mit Missernten und Hungerkatastrophen erlebten (als Grund nimmt man heute einen Vulkanausbruch in Indonesien an), ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Michael Struck-Schloen
Seine Inszenierungen sorgen regelmäßig für Kontroversen. Weil sie Stoffe, Stücke und Charaktere bis auf den Kern abklopfen. Was bedeuten kann, dass – wie im Fall von Verdis «Traviata» – auf der Bühne nur die Hauptfigur in Erscheinung tritt oder – wie bei Mozarts «Don Giovanni» – der Held durch Abwesenheit glänzt. Es sind radikale Deutungen, die Benedikt von Peter...
Tschaikowsky hielt sie für seine beste Oper – und das will etwas heißen bei diesem stets an sich selbst zweifelnden Komponisten: «Tscharodeika» oder «Die Zauberin» aus dem Jahre 1887 (genau genommen müsste der deutsche Titel eigentlich «Die Bezaubernde» lauten), ein Werk, das (fast) niemand kennt. Nun die französische Erstaufführung in Lyon: eine Wucht! Zwar...
«La douceur de nôtre Chant Français», die Süße des französischen Gesangsstils und seiner poetischen Sprachdeklamation, mit der größeren Lebendigkeit und dem harmonischen Reichtum der italienischen Kammerkantate zu verbinden, war die erklärte Absicht Jean-Baptiste Morins (1677-1745), der um 1700 gleichzeitig mit Nicolas Bernier, einem Schüler des Venezianers Antonio...
