Die Mitte finden
Seine Inszenierungen sorgen regelmäßig für Kontroversen. Weil sie Stoffe, Stücke und Charaktere bis auf den Kern abklopfen. Was bedeuten kann, dass – wie im Fall von Verdis «Traviata» – auf der Bühne nur die Hauptfigur in Erscheinung tritt oder – wie bei Mozarts «Don Giovanni» – der Held durch Abwesenheit glänzt. Es sind radikale Deutungen, die Benedikt von Peter am liebsten im Team entwickelt. Und mit denen er, gerade weil sie als schwierig gelten, das Publikum nicht nur in Luzern mitreißt, dessen Theater er seit 2016 leitet.
2020 wird von Peter ans Theater Basel wechseln. Ein Gespräch über die Magie des leeren Raums, das Glück flacher Hierarchien und die Frage, wie viel Marxismus das (Musik-)Theater verträgt
Herr von Peter, in Schillers «Wilhelm Tell» findet sich der pränietzscheanische Satz «Der Starke ist am mächtigsten allein». Er steht vermutlich diametral zu Ihrem Verständnis von Theater, oder?
Eigentlich fühle ich mich nicht so stark und mächtig - allerdings auf dem Posten des Intendanten häufig ganz schön allein. Mehr und mehr merke ich aber, dass man eine solche «isolierte Machtposition» vermeiden oder sofort auflösen muss. Überhaupt ist Alleinsein etwas, was ich nicht ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Interview, Seite 26
von Jürgen Otten
Keine Aneinanderreihung von «Duetten und cavatine usw. usw.» hatte Verdi mit «La forza del destino» im Sinn, sondern eine «Oper der Absichten». Wenn allerdings mit Anna Netrebko und Jonas Kaufmann die größten Stars der Szene antreten, können die Absichten schon mal untergehen. Aficionados sollen in London auf dem Schwarzmarkt mehrere tausend Pfund für eine Karte...
Schmutzige, düstere Schäbigkeit, ein aufgegebenes Hochhaus bietet den Opfern der Geschichte und der zerstörten Natur Unterschlupf. Die Stadt Babylon wurde zerstört, nie wieder soll sie erbaut werden – so zitiert ein «Skorpionmensch», ein Cyborg mit metallenem Stachel, alttestamentarische Propheten zu Beginn der Oper «Babylon» von Jörg Widmann und Peter Sloterdijk....
Unheimliche Dinge vernahm man über den Beginn des neuen Werks. Ein ohrenbetäubendes Dröhnen soll bei der Premiere die Plüschbestuhlung im ehrwürdigen Brüsseler Opernhaus zum Zittern gebracht und die Ankunft des Raumschiffs apokalyptisch begleitet haben. Bei der fünften Vorstellung wollte man dem Publikum dann offenbar nicht mehr die volle Dosis des akustischen...
