Stimmenfest
Wer der notorischen Händel-Renaissance auf den deutschen Bühnen etwas entgegensetzen will, bekommt vom Plattenmarkt eine gute Vorlage: Besonders das französische Label Naïve hat sich um die Wiederbelebung des italienischen Barockmeisters Antonio Vivaldi verdient gemacht und hochgelobte Gesamtaufnahmen vorgelegt, Sängerinnen wie Cecilia Bartoli oder Simone Kermes haben mit aufsehenerregenden Solo-Recitals nachgezogen.
Ganz am Anfang dieser Wiederentdeckung stand eine Vivaldi-Oper, die sich sehr schnell einen neuen Namen machen konnte: seine Vertonung des «Rasenden Rolands» mit allem, was barockes Zaubertheater braucht und hergibt im Liebesgetümmel auf Alcinas Zauberinsel. Ein starker Titelheld inklusive Wahnsinnsarie dazu – fertig ist das schmackhafte Heldenepos mit hinreißender Musik.
Nur wenige Wochen vor der Premiere des Bonner «Orlando» ist die Regisseurin Aurelia Eggers für einen erkrankten Kollegen eingesprungen – herausgekommen ist trotzdem kein Notbehelf. Die Regisseurin tut ihr Möglichstes, um die Irrungen und Wirrungen im Spiel der Figuren so klar als möglich auszustellen. Das ist handwerklich seriös gelöst – und in vielen Momenten pointiert gelungen. Verdient herzlichen ...
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Der Grund, warum die estnische Komponistin Mari Vihmand die auf Deutsch geschriebene Novelle «Die Mathematik der Nina Gluckstein» als Vorlage für eine Oper gewählt hat, ist vermutlich der gleiche, aus welchem dieses kleine Buch in den achtziger Jahren zu einem internationalen Bestseller wurde: Die deutsch-argentinische Schriftstellerin Esther Vilar hat in ihrer...
Der Jubel kannte keine Grenzen. Als im April 1972 an der Bayerischen Staatsoper ein neuer «Rosenkavalier» in der Regie von Otto Schenk herauskam, schrieb Imre Fabian in dieser Zeitschrift: «Die Sensation dieser Premiere hieß Carlos Kleiber» (siehe OW 6/1972). Die Produktion war opulent besetzt: Gwyneth Jones sang die Marschallin, Karl Ridderbusch den Ochs, Lucia...
In den Zeiten, als es noch wenige große Labels gab, deren Platten den Markt inhaltlich bestimmten, musste er es schwer haben: Gianni Raimondi war zwischen New York, Wien und Mailand ein viel gefragter Sänger. Platten gemacht hat er wenige. Das lag zum einen daran, dass seine Stimme zwar (wie geübte Ohren selbst an den Piratenmitschnitten hören können) perfekten...
