Geradeheraus
Der Grund, warum die estnische Komponistin Mari Vihmand die auf Deutsch geschriebene Novelle «Die Mathematik der Nina Gluckstein» als Vorlage für eine Oper gewählt hat, ist vermutlich der gleiche, aus welchem dieses kleine Buch in den achtziger Jahren zu einem internationalen Bestseller wurde: Die deutsch-argentinische Schriftstellerin Esther Vilar hat in ihrer Geschichte vom Tangosänger Chucho Santelmo und seiner Frau Nina die beiden klassischen Affekte der Liebes- und Todessucht so organisch und urwüchsig eingearbeitet, dass die Figuren ganz darin aufgehen.
Gerade die stolze Nina Gluckstein, die eines Tages beschließt, den heiß geliebten Gesangsstar, dem «alle Frauen zur Verfügung» stehen, durch demonstrative Anbetungsverweigerung für immer an sich zu binden – gerade sie hat das Zeug zur ikonografischen Opernfigur.
Dabei waren an der Estnischen Nationaloper die Komponistin (und Übersetzerin), ihre Librettistin Maimu Berg und die Regisseurin Liis Kolle klug genug, den im Buch knapp ausgeführten tragischen Stoff für das Opernlibretto nicht nur im Sinne seiner lakonischen Unnahbarkeit zu präsentieren. Während in der Novelle die Fan-Meute, die Nina und Santelmo am Ende in den ...
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