Stimmen der Natur

Dmitri Tcherniakov bringt in Paris Nikolai Rimsky-Korsakows Märchenoper «Snegurotschka» auf die Bühne

Opernwelt - Logo

Ein «Frühlingsmärchen» hat Nikolai Rimsky-Korsakow seine vierte Oper genannt. Das trifft die in «Snegurotschka» verhandelte Sache genauer als der Name des Fabelwesens, das dem Stück den Titel gab. Denn nicht die unmögliche Romanze der Geisterbraut, die am Ende in den Armen eines profanen Handelsmanns dahinschmilzt, treibt hier die Handlung, sondern eine von archaischen Kräften animierte Natur. Deren Ordnung ist aus dem Gleichgewicht geraten, seit die Frühlingsfee sich auf Väterchen Frost einließ und ein Mädchen gebar: Schneeflöckchen.

Dieses zieht es zu den Menschen, ins Dorf unter dem roten Berg, wo der Hirte Lel wundersame Lieder singt; ins Land des Zaren Berendei, dessen Volk im Einklang mit Feld und Flur, Sonne, Mond und Sternen zu leben scheint. Doch die Hoffnung auf Verwandlung, auf irdische Erlösung von dem Fluch, Produkt einer Verfehlung zu sein, bleibt unerfüllt. Snegurotschka muss sterben, um den alten Rhythmus von Werden und Vergehen wiederherzustellen.

In Dmitri Tcherniakovs Inszenierung an der Pariser Bastille-Oper ist von Natur zunächst  nichts zu sehen. Den Prolog lässt der Bühnenbildner und Regisseur aus Moskau in einem Ballettsaal spielen. Die Frühlingsfee ist ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Beschränkt

Opern von Ottorino Respighi schafften es in Nordamerika selten auf den Spielplan. Die Metropolitan Opera etwa stellte ein einziges Werk vor: «La campana sommersa»– in der Saison 1928/29. Die letzte szenische Produktion in New York riskierte die Gotham Opera vor zwölf Jahren: «La bella dormenta nel bosco». Nun konnte man «La campana sommersa» dank der New York City...

TV-Klassiktipps Juni 2017

alpha

04.06. – 11:00 Uhr
Valery Gergiev dirigiert Schostakowitsch: 11. Symphonie g-moll op. 103

Im Rahmen der Dmitri Schostakowitsch gewidmeten Retrospektive

04.06. – 21:20 Uhr
Meisterwerke der Klassischen Musik: Igor Strawinsky – Le sacre du printemps

Die audiovisuelle Konzertführer-Reihe gibt Einblicke in die wichtigsten Werke der Musikgeschichte vom Barock bis zur...

Der Schöpfer, lustlos

Wie klingt es, wenn jemand zur Salzsäure erstarrt? Wie tönt es, wenn Sodom und Gomorrha in Schutt und Asche gelegt werden? Antworten gibt der italienische Komponist Giorgio Battistelli in seiner neuesten Oper «Lot», die jetzt mit zweijähriger Verspätung in Hannover uraufgeführt wurde.

Dass die erste Frage dann doch offen bleibt, liegt an der Librettistin Jenny...