Sorgfalt und Passion

Johannette Zomer erkundet Vivaldis «Juditha», Anna Prohaska wandelt auf den Spuren Didos und Kleopatras

Opernwelt - Logo

Obwohl man sie auch als Pamina auf der Bühne erleben oder mit Gershwin-Songs hören kann, ist die niederländische Sopranistin Johannette Zomer vor allem in der Alte-Musik-Szene bekannt geworden. Sie war an Ton Koopmans Gesamtaufnahme der Bach-Kantaten beteiligt, auch mit Philippe Herreweghe hat sie verschiedentlich zusammengearbeitet.

Auf ihrer neuesten CD widmet sie sich gemeinsam mit dem 2013 von ihr gegründeten Tulipa Consort ausschließlich Werken Antonio Vivaldis: zwei Solomotetten, drei Arien aus dem Oratorium «Juditha triumphans» und der umfangreichen kantatenhaften Vertonung des Psalms «Laudate pueri» in c-Moll. Ergänzt wird das Programm um zwei Instrumentalsinfonien, mit denen das ­Tulipa Consort auf seiner ersten CD sich als stilsicheres und klangfarbenfrohes Ensemble präsentiert.

Johannette Zomers Stimme hat sich über die vielen Jahre, die die Sängerin schon an prominenter Stelle aktiv ist, ihre weiche Leuchtkraft bewahrt. In dieser Literatur vermag sie allerdings in hoch gelegenen Passagen, wie sie sich in der Motette «O qui coeli terraeque serenitas» RV 631 häufig finden, weniger zu überzeugen als in Stücken mit tieferer Tessitura. Erstaunlich gut gelingen ihr die beiden ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Thomas Seedorf

Weitere Beiträge
Burlesker Totentanz

Das Gedankenspiel hätte ihm ­gefallen: Nach den Regeln der Quantenmechanik, meinte der Physiker Erwin Schrödinger 1935, könne eine Katze, die man in eine Kammer mit instabilen, sprich: potenziell strahlenden Atomen einschließe, gleichzeitig lebendig und tot sein. Warum? Weil man nicht weiß, wann genau die Kerne zerfallen und ihre radioaktive Energie freisetzen....

Unausstehlich

Felix Mottl und Gräfin Thun-Salm lernten sich 1901 in Bayreuth kennen. Er war damals ein viel beschäftigter Dirigent der Festspiele und enger Mitarbeiter von Cosima Wagner. Sie stammte aus Böhmen und lebte abwechselnd auf ihren dortigen Besitztümern und in Wien. Es war keine erotische Beziehung, vielmehr eine Art inhaltlich offener Freundschaft, die jedem von...

Musik als Offenbarung

Spätestens seit Beethovens Ausspruch «Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie» steht der Komponist über dem «Tonsetzer»: Er wird zum Stifter wahrer Kunstreligion, ja zum Demiurgen selbst. Schon Schumanns «Marsch der Davidsbündler gegen die Philister» zielte übers rein Ästhetische hinaus, noch seine freundlicheren «Musikalischen Haus- und...