Musik als Offenbarung
Spätestens seit Beethovens Ausspruch «Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie» steht der Komponist über dem «Tonsetzer»: Er wird zum Stifter wahrer Kunstreligion, ja zum Demiurgen selbst. Schon Schumanns «Marsch der Davidsbündler gegen die Philister» zielte übers rein Ästhetische hinaus, noch seine freundlicheren «Musikalischen Haus- und Lebensregeln» sind nichts Geringeres als eine Anleitung zum «richtigen» Leben nicht nur in der Kunst.
Wagner verstand sich als Reformator, ja Revolutionär, sah sein «Kunstwerk der Zukunft» als soziales Programm: Oper wie Sinfonie hätten ebenso abgewirtschaftet wie die auf Besitz gegründete Gesellschaft: Altes muss durch Neues, «sein» Neues ersetzt werden. An kleinen Lösungen lag ihm nicht; dass sich die deutsche Rechte seiner bemächtigte, ist so wenig Zufall wie die These, dass Karlheinz Stockhausen ihm in seinem messianischen Drang und Durchsetzungsanspruch ähnele – auch wenn der Kölner Meister stets erklärte, mit dem Bayreuther nichts gemein zu haben.
Doch Stockhausens spätes Hauptwerk, der siebentägige «Licht»-Zyklus, hat die Fantasien einer geistigen Verwandtschaft immer wieder befeuert, oft genug polemisch: Größen-, ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 31
von Gerhard R. Koch
Elisabetta, wie sie ihr Glück mit Don Carlo erlebt. Die französische Königstochter, wie sie dieses Glück opfert. Wie sie sich angesichts der bitteren Armut im Land zur Ehe mit Carlos Vater Filippo II., dem spanischen König, bereit erklärt. Wie sie sich aus politischer, auch sozialer Verantwortung für ihr Volk ins absehbare Unglück begibt. Freudengesänge und...
Zu den Gender-Phänomenen im Opernbetrieb gehört der Umstand, dass man Regisseurinnen gern mit Werken betraut, in denen die Psychologie von Frauen eine zentrale Rolle spielt ‒ und sich davon einen «weiblichen Blick» auf die Stücke erhofft. «Lucia di Lammermoor» gehört zu diesen klassischen Opern über eine geschundene Frauenseele, ebenso Puccinis «Suor Angelica» oder...
Peter Maxwell Davies hat sich immer dafür eingesetzt, auch Amateuren und Kindern Zugang zur klassischen Musik zu verschaffen. Und er war fasziniert von den Mythen der schottischen Orkney-Inseln, wo er sich 1971 niederließ. In seiner letzten Oper fließen diese Interessen ineins. Die Story: Das Seeungeheuer Nuckleavee bedroht die Orkneys. Der Knabe Magnus tut sich...
