Solo für eine Unberührbare

Berlin, Strauss: Arabella

Opernwelt - Logo

Hofmannsthals «Arabella» ist aus dem Stoff, aus dem man auch gute Hollywood-Filme macht. George Cukor hätte das mit der jungen Ingrid Bergman geschmackvoll inszeniert, und der alte Richard Strauss selbst wäre sich sicher nicht zu gut gewesen, den Sound­­track dazu zu liefern. Es ist also gar nichts dagegen einzuwenden, dass Alexander von Pfeil bei seiner Einstandsinszenierung an der Deutschen Oper die «Lyrische Komödie» gezielt in ein gesungenes Kino-Melodram übersetzt.

­Allerdings nicht in einen nostalgischen Kostümschinken, sondern in einen Film der so genannten «Schwar­zen Serie». Die Waldners sind bei ihrem sozialen Abstieg «ganz unten» angekommen, hausen in einer Tiefgarage zwischen Gangstern und Zuhältern.
Der Regisseur und sein Bühnenbildner Bernd Damov­sky haben das ehemalige Michigan Theatre in Detroit, später zum Parkhaus umgebaut, als einheitlichen Schau­platz gewählt, der als Ort der Tristesse und Verlassenheit hinlänglich brauchbar ist, als «Ikone für Verfall von Kultur» (Pfeil) aber nicht taugt, da der deutsche Zuschauer mit diesem Bau nichts verbindet.
Das Interesse der Regie konzentriert sich auf die ­Figur der Arabella, die sich hier aus der Erbärmlichkeit ihrer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2006
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Masken und Musik

Carlo Gozzi macht es heutigen Lesern nicht gerade leicht, ihn zu mögen: Er war nicht nur stockkonservativ, er wusste auch alles besser. Neuerungen waren ihm suspekt: Die italienische Literatur (so schreibt er in seinen Memoiren, denen er den koketten Titel «Unnütze Erinnerungen» gibt) «wurde durch verdrehte, ehrgeizige Fanatiker, die heutzutage um jeden Preis für...

Ensemblegeist

Seltsam, dieses Nachleben von «La clemenza di Tito». Es blieb über mehr als zweihundert Jahre ein permanentes Hin und Her zwischen beliebt und vergessen. Dass diese Oper ausgerechnet im Mozart-Jahr 2006 von zahl­reichen Bühnen wieder lebhaft in Erinnerung gebracht wird, zeugt ebenso von einem gewissen Nachholbedarf wie die Tatsache, dass der «Titus» nahezu...

Witz ohne Aberwitz

Man muss genau zuhören an diesem Abend. René Ja­cobs, fast möchte man schon von einem Spätstil bei ihm reden, dirigiert Monteverdis «Poppea». Es sind knapp vier Stunden von minimalistischer Wirkung. Keinerlei grobe Affekte hat Jacobs der nur als Skelett überlieferten Partitur hinzuinstrumentiert. Die Farben bleiben gedämpft, aber in sich reich, der Ton leise, aber...