Sirren und Rattern

Karlsruhe | Tüür: Wallenberg

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Das Jurastudium, die Annäherung an die Architektur, die Banklehre und auch der Delikatessenhandel – all das war nichts für den jungen Herrn aus großem Hause. Einhunderttausend Budapester Juden zu retten – diesen Ruhm erwarb sich der schwedische Amateurdiplomat Raoul Wallenberg dagegen mit vollem Recht, auch wenn sein NS-Gegenspieler Eichmann es allein in Ungarn fertigbrachte, viermal so viele Menschen ins Gas zu schicken. Der Wohltäter selbst geriet im Kalten Krieg zwischen die Fronten. Niemand weiß, wohin es ihn verschlug.

Mit einiger Wahrscheinlichkeit starb er 1947 in Moskau, von den Russen als Spion inhaftiert. 1981 machte Ronald Reagan ihn zum Ehrenbürger der USA: eine Art Schindler von Budapest.

Insgesamt scheint, was 2001 in Dortmund uraufgeführt und jetzt in Karlsruhe erstmals nachgespielt wurde, vom Librettisten Lutz Hübner einen Tick zu nahe an den Opernnormalfall herangerückt zu sein. Deshalb war es kein abwegiger Gedanke des Karlsruher Szenenteams (Regie: Tobias Kratzer; Bühne und Kostüme: Rainer Sellmaier), die Sängerdarsteller mit Tiermasken auszustaffieren, die drei strippenziehenden Diplomaten (Frauenstimmen!) als leichtgeschürzte Bunnys agieren und den Massenmörder ...

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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Heinz W. Koch

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