Die letzte Assoluta
Mit Sängerbiografien ist es so eine Sache. Zumal, wenn die beglückten Hauptpersonen noch unter uns weilen und munter auf dem hart umkämpften Stimmenmarkt mitmischen. Wer viel zu verlieren hat, neigt zur Verschwiegenheit. Wer viel zu gewinnen hofft, zur Aufschneiderei. Erfahrungen und Ereignisse, Fabeln und Fakten werden allenfalls gefiltert ausgereicht. Auf dass sie der Beförderung der eigenen Karriere dienen. So lesen sich nicht wenige Bücher über prominente Gesangsartisten wie Schaufensterprosa, von PR-Erzeugnissen kaum zu unterscheiden. Viel Wind, wenig Substanz.
Von solchen Rosarot-Produkten hebt sich Markus Thiels Buch über die Belcanto-Königin Edita Gruberova wohltuend ab. Das liegt zunächst einmal an Thiels Haltung zum Gegenstand: Der Autor macht zwar kein Hehl aus seiner Bewunderung für die Lebensleistung einer Sängerin, die mit den Heroinen Bellinis, Donizettis und (weniger) Rossinis seit mehr als drei Jahrzehnten das Publikum in Atem hält. Doch kommt die Reverenz an «die letzte Assoluta unserer Zeit» nicht im anekdotischen Fan-Jargon daher, sondern in einem sensibel-sachlichen Ton, der auf viele vertraute Gespräche schließen lässt. Bei aller Offenheit bleibt diese ...
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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Medien, Bücher, Seite 47
von Albrecht Thiemann
Bayreuth war immer schon politisch, die Bayreuther Festspiele auch. Dass der Dichter erst wieder dichten könne, wenn es keine Politik mehr gebe, diesen Satz hat Wagner seiner politisch-ästhetischen Utopie zwar vorangestellt, ohne sich selbst allerdings daran zu halten. Aus welchen praktischen Zwängen auch immer: Als 1876 die ersten Festspiele eröffnet wurden, waren...
Nichts weniger als den Übergang vom Spätbarock zur Frühklassik markiert dem italo-amerikanischen Musikwissenschaftler Elvidio Surian zufolge die Uraufführung von Johann Adolf Hasses Oper «Artaserse» 1730 in Venedigs Teatro San Giovanni Grisostomo: ein Meilenstein nicht nur in der Entwicklungsgeschichte der Oper als Genre, sondern auch Anfangspunkt der beispiellosen...
«Diabolus in musica» lautete im Sommer 2005 die Losung für das seit 1990 alljährlich in der Emilia Romagna stattfindende Ravenna Festival. Damals dirigierte Riccardo Muti eine konzertante Version von Hindemiths Einakter «Sancta Susanna», gepaart mit Beethovens Violinkonzert op. 61, der Solist war Vadim Repin. Die 23. Saison stand nun unter einem aus Hindemiths...
