Schönheitstrunken gegen die Wand
Wolfgang Rihm griff bei seinen Opernstoffen seit jeher zu großer Literatur – Georg Büchner («Jakob Lenz»), Heiner Müller («Hamletmaschine»), Sophokles/Hölderlin («Oedipus») und Antonin Artaud («Die Eroberung von Mexiko») dienten als Textlieferanten. Im kommenden September fasst das Theater Basel drei seiner kürzeren Arbeiten – «Aria/ Ariadne» (nach Nietzsche), «Das Gehege» (nach Botho Strauß) und Kleists «Penthesilea-Monolog» – unter dem Titel «Drei Frauen» als Musiktheaterabend zusammen.
Eine Frau steht auch im Zentrum von Rihms jüngster Theaterarbeit, dem Monodrama «Proserpina», das bei den Schwetzinger Festspielen uraufgeführt wurde. Textvorlage sind Goethes aufrührerische Sturm-und-Drang-Verse, die Rihm strichlos vertonte. Goethe hat den 1777 entstandenen Monolog, gewissermaßen das weibliche Gegenstück zur berühmten «Prometheus»-Hymne, zunächst separat, dann «freventlich» (wie er später selbst meinte) als Teil seiner für das herzogliche Liebhabertheater in Weimar geschriebenen «Werther»-Satire «Der Triumph der Empfindsamkeit» veröffentlicht. Zwei Wurzeln führte Goethe in diesen hoch emotionalen, außerordentlich bildhaften Versen zusammen: den mythologischen Stoff der von Pluto ...
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