Schnelle Nummer
Das Geschäftsmodell hat damals gar nicht schlecht funktioniert. Komponist und Librettist konzipierten eine Huldigungsoper, bezahlen musste sie der Adressat beziehungsweise der diplomatische Vertreter, der gerade in Hamburg ansässig war. Auf diese Weise kam auch 1702 am Gänsemarkt Reinhard Keisers «Sieg der fruchtbaren Pomona» zur Uraufführung. Man feierte den 31. Geburtstag von Friedrich IV.
, König von Dänemark und Norwegen sowie Herzog von Schleswig-Holstein, und in die Tasche greifen musste dafür der dänische Resident an der Alster – der sich in der Heimat prompt über die hohe Rechnung beklagte.
Handlung? Dramatische Entwicklung? Es gibt Wichtigeres, auch in der «Pomona», die der Dirigent und Barockgitarrist Thomas Ihlenfeldt für eine CD-Produktion wachgeküsst hat. Zum Beispiel aufregende Kulissenwechsel, vor allem aber die Grußadresse an den Herrscher. Welche der vier Jahreszeiten in den Augen Jupiters die schönste und wichtigste sei, das soll im Verlauf der Oper festgestellt werden. Keiser und Textdichter Christian Heinrich Postel nutzen das für die hintergründige Schilderung von vier Beziehungs- beziehungsweise Paarmodellen: Flora und Zephyrus (Frühling), Ceres und Jasion ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 18
von Markus Thiel
Da ist kein Becher mit dem Fächer, kein Kelch mit dem Elch. Und kein Hofnarr, wie ihn etwa Danny Kaye verkörperte. Sondern ein neurotischer Bruder Wozzecks – mit nacktem Oberkörper und verbogener Körpersprache, eine schmutzige Krause um den Hals, Außenseiter, aggressiver Borderliner, Ekel vom Dienst und daher Opfer von Mobbing und Häme. So legte Simon Keenlyside...
Der Bahnhofslautsprecher weiß es genau: Der Zug Nummer 1866 hat 148 Jahre Verspätung. Die Straßburger Premiere widerlegt die Ankündigung spielend und tanzend. Offenbachs Opéra bouffe «La Vie parisienne» (stimmt: Jahrgang 1866) ist in Wahrheit überpünktlich – meint: so genau auf dem Punkt, wie eine Vergegenwärtigung Maître Jacques’ nur sein kann. Die Deutsche Bahn,...
Schlimmer hätte es für ihn nicht kommen können: Von den Nazis als «entartet» gebrandmarkt, von den Stalinisten als zu «formalistisch» eingestuft, durfte der 1893 geborene tschechische Komponist Alois Hába erst kurz vor seinem Tod erleben, dass seine vierteltönigen Experimente von der Nachkriegsavantgarde aufgegriffen wurden. Diesen historischen Umständen ist es...
