Schnell, fremd, unberechenbar
In einer Oper genügen fünf Minuten, um einen Krieg glaubwürdig auf der Bühne zu zeigen. Im Schauspiel braucht man dafür vier Tage. Das ist die enorme Kraft der Musik. Wir kennen alle das Klischee des Opernsängers, der minutenlang singt, dass er jetzt abreisen wird. Aber als Schauspielregisseur bin ich davon fasziniert, wie unglaublich schnell Oper sein kann. Genau deswegen kann sie für mich modern sein und in unser Zeitalter passen. Anders als das Schauspiel wird sie aber viel zu oft als etwas «Heiliges» behandelt.
Um zu vermeiden, dass die Oper einen musealen Charakter erhält, muss man bei jeder neuen Produktion versuchen, die Routine zu vermeiden. Ich arbeite diesen Sommer bei der Ruhrtriennale mit Teodor Currentzis an Wagners «Rheingold». Er gehört zu einer jungen Generation von Dirigenten, die für musikalische und dramaturgische Experimente offen sind. Schon in unseren ersten Gesprächen schlug er vor, Wagners Partitur stellenweise aufzubrechen, ihr neue Texte und elektronische Musik hinzuzufügen.
Anfang Mai traf ich mich mit meinem Dramaturgie-Team, um weiter an der Inszenierung zu feilen. Abends rief die Schauspielerin Sandra Hüller an. Als sie hörte, womit wir uns ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Johan Simons
Mehrere politische wie gesellschaftliche Revolutionen hat «Le nozze di Figaro» in ihrer knapp 230-jährigen Geschichte schon erlebt, wie Francis Hüsers, der Johannes Eraths Inszenierung als Dramaturg betreut, im Programmheft mit Recht hervorhebt. Die Adelskritik weist in Richtung französische Revolution, während die offene Thematisierung von nichtehelichen...
Der Norden der Brüsseler Innenstadt ist kein idyllischer Ort. Die großen Boulevards mit ihren pompösen Wohnblocks zerfransen am Nordbahnhof, der Straßenstrich wirkt am Sonntag noch deprimierender als sonst, das ganze Viertel ist eine von Büroeffizienz und Kommerz diktierte Bausünde der 90er-Jahre. In der großstädtischen Ödnis drängen sich nur vor dem Théâtre...
Die neue Oper von Marco Tutino schöpft aus beachtlichen Quellen: Alberto Moravias Roman und dessen 1960 erschienener Verfilmung in der Regie von Vittorio de Sica. In den kriegszerrütteten Jahren 1943-1945 kehrt Cesira (Sophia Loren) mit ihrer Tochter Rosetta aus Rom zurück in ihr Heimatdorf im ländlichen Italien. Sie werden verfolgt von Nazis und Faschisten, von...
