Schlank, wendig, mit Substanz

Augsburg, Verdi: Don Carlos

Opernwelt - Logo

Der Magnet liegt 60 Kilometer entfernt und übt gerade mit «Aida» und «Macbeth» am Nationaltheater und dem jungen Verdi am Gärtnerplatz große Anziehungskräfte aus. Wie sich also gegen München behaupten? Mit seinem neuen «Don Carlos» gelingt das dem Theater Augsburg locker. Ohnehin hat sich hier seit 2007, dem Amtsantritt von Intendantin Juliane Votteler, Entscheidendes getan. Die Inszenierungsästhetik riecht nicht mehr nach dem früheren Muff. Und obgleich nicht alles gelingt: Es wird geredet bis heiß debattiert übers Stadttheater – das Beste also, was dem Haus passieren kann.


Seit dieser Saison wird Augsburg doppelt interessant, was die Regie zu «Don Carlos» unterstreicht,
indem sie den Dirigenten samt Philharmonischem Orchester auf die (Hinter-)Bühne holt: Dirk Kaftan, zuvor Erster Kapellmeister in Graz und nun neuer Generalmusikdirektor, bestätigt alle Erwartungen. Man spielt die vieraktige Mailänder Fassung, und es gelingt eine Deutung, die so gar nichts mit dem zu tun hat, was die Gehörgänge der meisten Verdi-Fans besetzt hat. Kein schwerlastiger Spätstil ist hier zu erleben: Kaftan blickt aus der Perspektive des mittleren Verdi aufs Stück. Getrieben von einem trockenen, nervigen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2009
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Markus Thiel

Vergriffen
Weitere Beiträge
Spannschuss ins Lattenkreuz

«Über die Musik will ich Ihnen nichts sagen; Sie kennen sie. Wovon Sie aber keine Vorstellung haben können, ist das schreckliche Geschrei, das anhaltende Brüllen, welches das ganze Stück hindurch von der Bühne schallt», berichtete der Philosoph Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) über einen Opernbesuch (ohne damit speziell Tenöre zu meinen). Gioacchino Rossini...

Vom Schlag getroffen

«Wie kriegt man die Empathie wieder in die Köpfe», fragte Stephan Kimmig, der Schauspielregisseur, vor einem halben Jahr in der Wochenzeitung «Die Zeit». Wie aktiviert man das Mitfühlen der Menschen, elementare Emotionen? Vielleicht hat Kimmig, Jahrgang 1959, auch deshalb zur Oper gefunden – Nikolaus Bachler, Münchens Opernchef, hat ihn vom schauspielerischen...

Die Erde hat ihn wieder

Was immer auf der Wartburg vorgefallen ist: Tannhäuser macht erst mal die Schotten dicht. Sein Rückzug, so die Interpretation von Rosamund Gilmore, lässt sich als Ausflucht eines Künstlers deuten, der auf seine Weise die eigene Schaffenskrise zu bewältigen sucht. Folglich richtet Carl Friedrich Oberle dem renitenten Minnesänger auf der Bühne des Staatstheaters...