Die Erde hat ihn wieder
Was immer auf der Wartburg vorgefallen ist: Tannhäuser macht erst mal die Schotten dicht. Sein Rückzug, so die Interpretation von Rosamund Gilmore, lässt sich als Ausflucht eines Künstlers deuten, der auf seine Weise die eigene Schaffenskrise zu bewältigen sucht. Folglich richtet Carl Friedrich Oberle dem renitenten Minnesänger auf der Bühne des Staatstheaters Nürnberg eine kleine Komponierstube ein, die innere Emigration ermöglicht – wären da nicht die Versuchungen, die ihn in der selbstgewählten Einsamkeit immer wieder abhalten von der Arbeit.
Und arbeiten will der Mann um jeden Preis, schließlich ist er der Welt noch einen «Tannhäuser» schuldig. Das Notenpult längst aufgestellt. Der «Richard Wagner»-Flügel aus dem Hause Ibach steht allerdings kopf, und Frau Venus reibt sich an ihm, als könnte sie den Geliebten damit rühren. Doch der hat anderes im Sinn. Während er auf den Chor der Pilger wie auf eine innere Stimme hört, stellt sich mit Mariens Hilfe (oder ist es vielleicht die Heilige Cecilia?) sein künstlerischer Normalzustand wieder ein. Das Instrument kippt in die Horizontale, die Fleisch gewordenen «rosigen Düfte» verschwinden. Wie durch ein Wunder öffnet sich der ...
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Wenn die Wirtschaft in Nöten steckt, muss auch ein Impresario Abstriche machen. An der San Francisco Opera bedeutet das: Bei den Besetzungen klotzt man, bei den Inszenierungen wird gespart. Von den neun Produktionen, die in dieser Spielzeit auf dem Programm stehen, sind acht bereits anderenorts herausgekommen, viele wurden schlicht eingekauft.
Bisweilen geht die...
Wer diese Stimme je gehört hat, wird sie nicht vergessen: das dunkel-glühende Timbre, das unaufdringliche und unforcierte Volumen, die Mischung aus Eleganz und Kraft. Worte müssen zwangsläufig dürr erscheinen, wenn es darum geht, ein solches Phänomen zu umschreiben. Vielleicht kann man so sagen: Alles was George London sang, und wie er sang, war charakteristisch....
Das diesjährige Opernfestival von Wexford war, was die künstlerische Qualität betrifft, möglicherweise das schwächste, das ich in den letzten 25 Jahren besucht habe. «The Ghosts of Versailles» von John Corigliano, ein Import mit hohem Anspruch, bot nur wenig von dem, wofür Wexford traditionell bürgt – auch wenn die Marie Antoinette von dem in Europa noch...
