Schlagzeuggewitter

Warschau: Xenakis: Oresteia

Opernwelt - Logo

Iannis Xenakis muss gespürt haben, dass seine «Oresteia» mehr geworden war als eine bloße Schauspielmusik: Als er seine zwanzig Jahre zuvor für Chor und perkussiv dominiertes Instrumentalensemble entstandene Komposition 1987 für die erste szenische Aufführung überarbeitete (und ziemlich drastisch einkürzte), schob er das Werk durch eine groß angelegte Soloszene zugleich von der Theater- in Richtung Opernbühne. Fünf Jahre später komplettierte er eine weitere, ebenfalls für falsettierenden Bariton geschriebene Einlage dieser Transformation.

In ihrer endgültigen Fassung ist Xenakis’ Aischylos-Adaption ein packendes Stück Musiktheater und musikalisch ein faszinierender Balanceakt zwischen archaischer Strenge und entfesselter Ekstase.

Umso erstaunlicher, dass «Oresteia» nur selten gespielt wird – auch an Warschaus Teatr Wielki springen unter der zielgerichteten Leitung von Franck Ollu die rhythmischen Funken der virtuosen Schlagzeugpassagen, die herbe Direktheit des dissonanten Bläsersatzes und die Wucht der vom Chor unisono skandierten griechischen Verse ganz unmittelbar aufs Publikum über. Im kleinen, nur knapp 200 Zuschauer fassenden Saal entwickelt Xenakis’ Musik so eine physische ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2010
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gewieft, gescholten, geliebt

Er sei einfach der «aller-, allerbeste Intendant der Welt», schrieb die Fränkin Waltraud Meier, als der Franke Wolfgang Wagner 75 wurde. Sie brachte damit zum Ausdruck, was alle dachten und spürten: dass dieser Enkel des großen Richard motivieren konnte wie kein zweiter Theaterchef. Weil er immer da war, wenn man ihn brauchte, ansprechbar, offen, nie um eine (oft...

Das erste Mal

Riccardo Muti, Herzog & Meuron, Prada... – was den Snob-Appeal betrifft, dürfte das für die Met-Erstaufführung von Verdis «Attila» zusammengekaufte Aufgebot schwerlich zu übertreffen sein. Die Befürchtung, die kapitale Promi-Riege habe sich an einem musikalischen Objekt abgearbeitet, das nicht weiter der Rede wert ist, löste sich jedoch schon während der ersten...

Grétry & Co.

Die Opéra Comique gehört heute wieder zu den aktiven Pariser Opernhäusern. Die Direktion sieht es als primäre Aufgabe des Hauses an, «das französische Repertoire zu pflegen». Der Verständlichkeit des Textes komme dabei, wie stets in der französischen Operntradition, eine große Rolle zu. Konkret heißt das: Auf der Bühne der Salle Favart uraufgeführte Werke wie...