Sahnetorte
Und plötzlich ist alles anders. Der Genuss des Genießens hat ein Ende, die zuvor quietschbunte Welt des Rokoko, die sich verwandelt sah in eine Commedia dell’arte-Arena voller Irrationalitäten, steht still. Jetzt hat die Musik das Wort. Präziser: eine Frau, die ehrlich nichts anderes mehr empfinden kann als die necessità del cuore, höchste Herzensnot. Also erfleht sie, die gerade noch ein granitener Fels war, singend Hilfe aus dem Himmel.
Nicht zufällig nahm Ludwig van Beethoven Fiordiligis «Per pietà»-Lamento aus dem zweiten Akt von Mozarts «Così» zum Vorbild für seine große Leonoren-Arie; sogar die Tonart, schon bei Händel und später noch in Donizettis «Lucia di Lammermoor» Ausdruck tiefster Trauer, ist dieselbe: E-Dur.
Wie Maria Bengtsson diesen herben Umschlag vom Komischen ins Tragisch-Heroische gestaltet, das ist zum Niederknien schmerzlich-schön. Töne gereiht zur Juwelenkette, einer funkelnder als der andere, mit betörender Nuancierung in Dynamik, Klanggebung, Farbe und Agogik, so raumgreifend, dass die berühmte Stecknadel in diesen fünf Minuten fallen könnte, und man würde sie hören im weiten Rund der Hamburgischen Staatsoper.
Der Rest in Herbert Fritschs Inszenierung ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Jürgen Otten
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Seit seinem Amtsantritt als Intendant der Opéra national de Paris hat es sich Stéphane Lissner zum Ziel gesetzt, neue Musiktheaterwerke in Auftrag zu geben, die auf Klassikern der französichen Literatur gründen. 2017 war Balzac mit Luca Francesconis «Trompe-la-mort» an der Reihe, für 2021 ist Claudels «Le Soulier de satin» annonciert, vertont von Kaija Saariaho....
Wie groß die Macht des Heiligen sei? Wir wissen es nicht. Dass sie aber in weiten Teilen der westlichen Welt als zumindest gebrochen erscheint, ist, wie es Hans Joas in seiner gleichlautenden Studie beschreibt, als Zeitdiagnose nicht allzu gewagt – die Wirklichkeit, wie auch immer sie angeschaut wird, lügt kaum. Aber, und das ist das Schöne: Man kann ihr...
