Romeo und Julia auf Aserbaidschanisch
Es ist ein Opernabend der anderen Art. Im ausverkauften Opernhaus von Baku freilich gehört die Aufführung von «Leyli und Madschnun» zum festen Ritual eines dem aserbaidschanischen Komponisten Uzeyir Hadschibeyli gewidmeten Festivals. Während auf der Bühne das große Liebesdrama zelebriert wird, leuchten im Publikum unentwegt Handys auf, es wird fotografiert und gefilmt, was das Zeug hält, sogar telefoniert, auf den Rängen herrscht ein reges Kommen und Gehen.
Die meisten Zuschauer lassen sich von dem Geschehen allerdings bannen, sie belohnen die Interpreten immer wieder mit frenetischem Sonderapplaus.
«Leyli und Madschnun» ist die orientalische Version der Romeo-und-Julia-Geschichte. Leyli soll auf Drängen ihres Vaters mit dem reichen Ibn Salam verheiratet werden, doch sie liebt den armen Hirten Geys, der angesichts der ausweglosen Situation den Verstand verliert, zu Madschnun, dem «Verrückten» wird und in die Wüste geht. Am Ende sterben beide den Liebestod. Im Westen kaum bekannt (die Ruhrtriennale präsentierte 2010 in der Jahrhunderthalle Bochum eine musiktheatralische Neufassung des Stoffs von dem palästinensisch-israelischen Komponisten Samir Odeh-Tamimi), hat das 1908 ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Josef Oehrlein
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