Rocky Magic Picture Show
«L’amore metamòrfosa l’uomo in una bestia» – «Die Liebe verwandelt den Menschen in eine Bestie»: Falstaffs Selbsterkenntnis aus dem dritten Akt könnte ein Motto für die Deutung sein, mit der sich Lukas Hemleb an Boitos und Verdis schwarzer Komödie versucht hat. Ein einziges Element steht auf Alexander Polzins Bühne: ein haushoher, erratischer Felsbrocken, dessen verschiedene Öffnungen nur zum Teil das Resultat zivilisatorischer Eingriffe zu sein scheinen, der am Ende aber auch Assoziationen zur «großen Eiche Herne» erlaubt.
So bleibt viel Raum für die selbstverliebten, aber auch angsterfüllten Bewegungen der mit ihren unterdrückten Wünschen hadernden Figuren – Andrea Schmidt-Futterer hat ihnen ausdrucksstarke Kostüme auf den Leib geschneidert, die nicht zuletzt jedem der «Lustigen Weiber von Windsor» einen eigenen Charakter geben.
Dennoch findet die Inszenierung nur selten zu zwingenden Bildern. Bei aller tänzerischen Eleganz der Bewegungen bleibt zu vieles vordergründig-komödiantisch. Wenn in der Exorzismus-Szene des letzten Bildes der Firnis der Zivilisation abblättert, fokussiert Hemleb auf eine schrille «Rocky Magic Picture Show» um den als Clown typisierten Falstaff. Immer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2016
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Anselm Gerhard
Elisabeth Stöppler hat «Dialogues des Carmélites», eine der beklemmendsten Opern der klassischen Moderne, nicht auf den Kopf gestellt wie Dmitri Tcherniakov in seiner umstrittenen, von den Poulenc-Erben inkriminierten Münchner Inszenierung. Aber auch sie rückt das Stück um das historisch verbürgte Martyrium der 16 Karmelitinnen von Compiègne während der...
Schwungvoll über den Titel «Gute Nacht» und die Tempobezeichnung «Mässig, in gehender Bewegung» hingeschrieben, findet sich in einem meiner Schubert-Liederalben die Signatur von Hermann Prey. Der Sänger gab sie mir 1964 anlässlich eines Interviews bei seinem Gastspiel mit der «Winterreise» in Graz. «Mässig, in gehender Bewegung» schien schon damals sein agogisches...
Vielleicht hat die Arie der Rezeption fast geschadet: Die Auskopplung von «Rachel, quand du Seigneur», die Beförderung zu einem der Opernhits des 19. Jahrhunderts, raubte der Figur des Eléazar im allgemeinen Bewusstsein entscheidende Facetten. Ein Verzweifelter? Ein grundlos Ausgestoßener, der am Rand von Fassung und Leben seinen Gott um letzte Hilfe anfleht? Die...
