Reisebilder
Der Himmel von Wolken grau verhangen. Der steife Wind jagt die Regenböen über die Förde: ein – fast möchte man sagen typisches – Mai-Wochenende in Kiel. Man kann den Seeleuten nachempfinden, dass es sie bei solchem Wetter in die Ferne zog, und man ist dem Opernhaus dankbar, dass es einlädt zu einem Ausflug ins sonnige Arabien. Mit einer Trouvaille obendrein.
Der früh verstorbene französische Komponist Gabriel Dupont (1878-1914) hat mit seiner 1921 in Paris posthum aus der Taufe gehobenen und dann bis auf einige wenige Aufführungen vergessenen Großen Oper «Antar» ein orientalisches Sujet aufgegriffen, das den gleichnamigen beduinischen Hirten und Dichter aus dem 6. nachchristlichen Jahrhundert in den Mittelpunkt stellt und ihn zum Volkshelden und Glaubenskämpfer verklärt. Intrigen und eine zarte Liebesgeschichte würzen die Handlung, die mit dem gewaltsamen Tode Antars und einem Freiheitshymnus auf ein vereinigtes Arabien endet. Insgesamt eine Spätblüte der Grand Opéra, ein üppiger Klangrausch mit Schlachtenmusiken und Siegeschören, Liebesduetten und Verschwörerdramatik, pentatonisch eingefärbter Folklore und farbenreichen, zwischen Debussy-Impressionismus und der Pathetik des ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Unser Österreich-Korrespondent zuckte nur mit den Achseln: Eine Überraschung sei das nicht. Jeder habe es erwartet. Nehmen wir also zur Kenntnis: Der Chef der Salzburger Festspiele heißt ab Herbst 2011 Alexander Pereira. Schon als Gerard Mortier nach zehn ungemein produktiven Jahren Salzburg verließ, war Pereira im Gespräch. Und dann wieder, als Mortiers Nachfolger...
Was muss ein Stoff haben, damit eine Oper aus ihm werden kann? Aribert Reimann hat diese Frage für sich so beantwortet: «gleichnishaften Ewigkeitswert». In seinen Bühnenwerken ist daher der Mensch das Maß der Dinge. Er ist Thema, Anlass, Gegenstand – und zwar als singend sich äußernde und entäußernde Figur. Darin dürfte ein wesentlicher Grund dafür liegen, dass...
Ein Hauch Magie. Natürlich ist diese Geste genau einstudiert, wahrscheinlich dutzende Male geprobt, dennoch erscheint sie wie aus dem Moment heraus geboren. Da steht Sieglinde, innerlich orientierungs- und äußerlich kraftlos, auf wackligen Knien, als Hunding barsch ihre linke Hand ergreift und sie mahnend (oder strafend?) zu sich ziehen möchte, während kurz darauf...
