Laokoon in Zeitlupe

Warum auch die zweite Etappe des neuen «Ring» in Essen fulminant gelingt

Opernwelt - Logo

Ein Hauch Magie. Natürlich ist diese Geste genau einstudiert, wahrscheinlich dutzende Male geprobt, dennoch erscheint sie wie aus dem Moment heraus geboren. Da steht Sieglinde, innerlich orientierungs- und äußerlich kraftlos, auf wackligen Knien, als Hunding barsch ihre linke Hand ergreift und sie mahnend (oder strafend?) zu sich ziehen möchte, während kurz darauf Siegmund von der anderen Seite die sich ihm entgegenstreckende Rechte zaudernd in seine Hände legt.

Es ist die erste zärtliche Berührung der beiden einander in Liebe verfallenen Geschwister und für Sieglinde zugleich ein geheimnisvoller Augenblick zwischen Autoritätsraison und Gefühlsverwirrung.

So subtil wie diesen Augenblick inszeniert Dietrich Hilsdorf am Essener Aalto-Theater den gesamten ersten Akt von Richard Wagners «Walküre». Die Rechnung, vier verschiedenen Regisseuren die einzelnen «Ring»-Teile zu überantworten, scheint, so das Fazit nach der Hälfte des Projekts, aufzugehen. Mit Tilman Knabes «Rheingold» hat diese Produktion nichts gemein, sieht man einmal davon ab, dass in beiden Stücken am Ende jeweils Götterdämmerungsassoziationen beschworen werden: im «Rheingold» durch Sprengstoff und einen tickenden ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2009
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ein Patriarch tritt ab

Er hat einen berühmten Vater. Und der wird selbst dann noch bewusst erwähnt, wenn sich der 1944 geborene Berliner Johannes Felsenstein (mit einer für ihn typischen, fulminanten «Elektra») in die Rente verabschiedet. Der Sohn Walter Felsensteins hat sich nicht nur im gleichen Metier als Intendant und als Regisseur getummelt, sondern mit seiner Arbeit stets zu Vision...

Orpheus Britannicus

Er gehört zur Pioniergeneration der Wiederentdeckung der alten, vorbarocken Musik: Alfred Deller war der Erste, der die in England nie ganz ausgestorbene Stimme des männlichen Altus zu neuem Leben erweckte, und er ist bis heute einer der faszinierendsten Vertreter dieses Fachs geblieben. Als Michael Tippett ihn 1944 im Übungsraum der Chorschule in Canterbury hörte...

Drängende Gefühle?

Zu Händels Lebzeiten eine seiner meistgespielten Opern, hat der 1727 uraufgeführte «Admeto» bisher nur eingeschränkt vom großen Händel-Revival profitieren können. Zwar erschien schon in den siebziger Jahren eine Gesamtaufnahme auf historischen Instrumenten, doch eine Breitenwirkung ging von dieser Einspielung ebenso wenig aus wie von gelegentlichen...