Reichlich Raben
Es war eine anmutige, traditionelle «Werther»-Deutung, die der französische Schauspieler und Regisseur Paul-Émile Deiber 1971 an der Met für seine spätere Frau Christa Ludwig und für Franco Corelli in der Titelpartie in Szene gesetzt hatte.
Richard Eyres Neuinszenierung von Massenets Vierakter könnte man neokonservativ nennen: Visuell angereichert mit Naturmotiven (im ersten Akt) – darunter genug Raben für mehrere «Götterdämmerungen» –, vollzieht sich die Handlung in einer inzwischen recht gängigen Perspektivrahmen-Optik, Goethes Personal agiert in Kostümen aus der Zeit um 1914.
Eyre buchstabiert für jeden nachvollziehbar den Plot durch, bleibt dabei aber überwiegend illustrativ. Allenfalls die Lichtregie sorgt für surreale Effekte. Die Requisiten haben eine realistische, manchmal banale Anmutung, die Personenregie liefert keine neuen Erkenntnisse. Einen originellen Kunstgriff hat sich der Regisseur aber dann doch erlaubt: Den Tod von Charlottes Mutter lässt er pantomimisch spielen – zu Massenets Prélude, dessen frühlingshafter Gestus freilich in krassem Widerspruch zu dem stummen Bild steht.
Reibungslos laufen die Szenen ab, auch wenn sich zwischen den Protagonisten nicht das rechte ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 42
von David Shengold
«Und, was glauben Sie?» – unter diesem Motto setzt sich das Pfalztheater Kaiserslautern spartenübergreifend mit der Antike auseinander. Das Musiktheater ist mit «Iphigenie in Aulis» dabei, der weniger bekannten von Glucks beiden Tantaliden-Opern, die die Vorgeschichte des Trojanischen Krieges beschreibt: Heerführer Agamemnon liegt mit seiner Flotte wegen...
Stephan MÖSCH: Ich darf die Hausherrin zuerst ansprechen. Frau Sobotka, Sie haben kürzlich in einem Interview gesagt, ein Theater sei keine Demokratieanstalt, sondern nur hierarchisch zu führen. Da spricht natürlich eine Frau, die lange mit Ioan Holender zusammengearbeitet hat. Was bedeutet die These konkret für Sängerinnen und Sänger?
Elisabeth SOBOTKA: Sie...
In den 1950er-Jahren war Rosanna Carteri (*1930) eine der gefragtesten italienischen Sopranistinnen im lyrischen Fach, sang an der Mailänder Scala und bei den Salzburger Festspielen, spielte zahlreiche komplette Opern ein und wirkte in mehreren Fernsehopern der RAI mit. Ihr Repertoire reichte von Pergolesi bis Gilbert Bécaud («L’Opéra d’Aran»), zu ihren Glanzrollen...
