«È Strano»

SINGEN ALS BERUF IM HEUTIGEN MUSIKTHEATER: Verdis Violetta Valéry singt in ihrer großen Arie «È strano» davon, dass ein bestimmter Gesang sie im Herzen berührt. Wenn wir etwas hören, was wir so noch nie gehört haben und was in unser Innerstes vordringt, dann hat Oper etwas Wesentliches erreicht. Warum passiert das so selten? Das folgende Roundtable-Gespräch beschäftigt sich mit den Voraussetzungen dazu: Voraussetzungen, die nötig sind, damit die Mischung aus Bewunderung und animierter Verwunderung zustande kommt, die Aufführungen zu Erlebnissen werden lässt. Die Stimme als Schnittstelle von Körper, seelischer Befindlichkeit und dramatischem Kontext spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die Veranstaltung fand als Kooperation von «Opernwelt» und Ring Award im Next Liberty von Graz statt. Es diskutierten Tatjana Gürbaca, Elisabeth Sobotka, Iris Vermillion, Dirk Kaftan, Bernhard Richter und Dietmar Schwarz. Die Moderation übernahm Stephan Mösch

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Stephan MÖSCH: Ich darf die Hausherrin zuerst ansprechen. Frau Sobotka, Sie haben kürzlich in einem Interview gesagt, ein Theater sei keine Demokratieanstalt, sondern nur hierarchisch zu führen. Da spricht natürlich eine Frau, die lange mit Ioan Holender zusammengearbeitet hat. Was ­bedeutet die These konkret für Sängerinnen und Sänger?

Elisabeth SOBOTKA: Sie bedeutet, dass Sänger nicht immer das machen können, was sie wollen. Das beginnt schon in der Ausbildung, gilt dann besonders im Engagement oder bei einem Angebot zum Gastieren.

Sänger sind fremdbestimmt, wenn sie in unsere «Fänge» geraten. Wie eine Karriere verläuft, hängt – neben viel Fleiß und Glück – wesentlich davon ab, welche Stationen und Situationen man durchläuft, welche Möglichkeiten man ergreift. Bei all dem ist man oft fremdbestimmt und manchmal sogar in einem ganz strengen Korsett. Demokratisch geht es dabei kaum zu. Was meine eigene ­Arbeit betrifft: Ich werde nie mit einem Sänger demokratisch bestimmen können, was seine nächste Rolle ist. Natürlich rede ich mit den Ensemblemitgliedern, das ist ganz klar, will ihnen auch zuhören, will sie fördern, will sie weiterbringen. Aber entscheidend ist dabei, wie ich sie ...

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Opernwelt April 2014
Rubrik: Thema, Seite 44
von Stephan Mösch

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