Recht und Gerechtigkeit

Lyon zeigt beim Festival «Justice/Injustice» Thierry Escaichs und Robert Badinters «Claude», Beethovens «Fidelio», Dallapiccolas «Il prigioniero» und Schönbergs «Erwartung».

Opernwelt - Logo

«Selbst wenn der Mund sich schließt, bleibt die Frage offen», schrieb Stanislaw Jerzy Lec.

Welche Frage? Etwa jene, die Pontius Pilatus bei Johannes (18,38) stellt: «Was ist Wahrheit?» Joseph Ratzinger, Papa Emeritus, spitzte sie im zweiten Band seiner Untersuchungen über Jesus von Nazareth zu: «Kann Politik Wahrheit als Kategorie für ihre Struktur annehmen? Oder muss sie Wahrheit als das Unzugängliche der Subjektivität überlassen und stattdessen sehen, wie sie mit den verfügbaren Instrumenten der Ordnung von Macht zu Rande kommt, um Frieden und Gerechtigkeit zu stiften?» Aber wenn Wahrheit nicht zählte? Welche Gerechtigkeit wäre dann möglich? Müsste es nicht gemeinsame Maßstäbe geben, die der Willkür wechselnder Meinungen und der Machtkonzentrationen entzogen wären und Gerechtigkeit für alle ­garantierten?

Grundlegende Fragen, die auch die Oper zu Lyon unter ihrem rührigen Chef Serge Dorny stellt, und zwar in ihrem im Festival «Justice/Injustice». Kein Zufall, dass dieses in der Karwoche ­begann. Wobei das französische Motto im Deutschen mit «Recht» und «Unrecht» nur unzureichend übersetzt ist, denn «Justice» bedeutet eben nicht bloß Recht, sondern vor allem Gerechtigkeit. Doch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Glaube, Liebe, Hoffnung

Frau Harms, mit dem Kirchentag hätten wir Sie nicht unbedingt in Verbindung gebracht. Wer hatte die Idee, Bonhoeffer auf die Opernbühne zu bringen?
Das Projekt geht auf einen Vorschlag des Kirchentagspräsidenten Gerhard Robbers zurück. Vor zwei Jahren fragten mich die Librettisten Theresita Colloredo und David Gravenhorst, ob ich die Regie übernehmen wolle.

Ihre...

Kunstvolle Kunstlosigkeit

Die stiff upper lips der britischen High Society wurden noch steifer, als vor sechzig Jahren in der Royal Opera Benjamin Brittens Krönungsoper «Gloriana» uraufgeführt wurde. Statt des erwarteten zeremoniellen Historienspiels zur Krönung von Elizabeth II. wurde dem Publikum das bittere Drama der alternden Elizabeth geboten, die ihre Unterschrift unter das...

In höchster Ergriffenheit

Ein Schluss, wie er im Buche steht. Längst haben Hagens Mannen Siegfrieds Katafalk aus Stühlen aufgeschichtet, als Brünnhilde erscheint, das Gesicht unterm Witwenschleier verhüllt und ein Flämmchen tragend, als wär’s das der Freiheitsstatue. Selbst wenn sie sich am Ende nicht aufs hohe Ross schwingt, scheint das ganze Theater unter ihren Füßen zu entflammen. Wüstes...