Quadratur des Kreises
Ohne den notorischen BIC-Stift, der ihm oft als Dirigentenstab dient und irgendwie zu seinem Markenzeichen wurde, sondern mit bloßen Händen formend, schraffiert René Jacobs in vertikal wippenden Arm- und Körperbewegungen Glucks «Telemaco»-Musik sozusagen in den Raum. Wobei das Ganze, will man den Vergleich weiterspinnen, eher auf eine zart aquarellierte Zeichnung hinausläuft denn auf hart kontrastierende Tuschmalerei: Den feinen, sprechenden Details gilt die Aufmerksamkeit, der plastischen, elastischen Klangrede.
So tritt Jacobs mit der Akademie für Alte Musik Berlin engagiert für ein recht zwitterhaftes Werk ein. Denn der Theaterenthusiast, Kronprinz und spätere Kaiser Joseph (II.) hatte sich zu seiner Hochzeit 1765 vom Ritter Gluck ein Stück gewünscht, das die Quadratur des Kreises vollziehen und die Seria Metastasio’scher Prägung mit der damals gerade geschaffenen Reformoper kombinieren sollte.
Jeder der beiden Akte erzählt im Grunde seine eigene, von Librettist Marco Coltellini geschickt miteinander verknüpfte Geschichte: Im ersten (nach Homers Odyssee) sucht Telemach nach seinem Vater Odysseus, der sich in den Fängen der zauberischen Circe befindet; im zweiten (nach einer ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhard Persché
Gäbe es so etwas wie eine Hitparade der klassischen Musik, Lyonels schmachtende Arie «Ach so fromm» mit dem berühmten Schlussseufzer «Martha, Martha, du entschwandest», dürfte sich nach wie vor auf den vorderen Plätzen behaupten, wenn sie auch mittlerweile in der italienischen Version, «M’apparì», die in keinem Recital südländischer Tenorstars fehlt, noch populärer...
Manchmal weiß man nach den ersten Tönen, wie es wird. So bei Micaela Carosis Auftritt in der Frankfurter «Adriana Lecouvreur». Sage und schreibe einer Erstaufführung an diesem Hause und in dieser Stadt – recht merkwürdig angesichts eines durchaus berühmten, nicht wenig dankbaren Werkes. Da wird also, wie bei einigen Puccini-Opern, vor dem Erscheinen der weiblichen...
Elisabetta, Mimì, Desdemona – alles melancholisch umflorte Damen. Fühlen Sie sich manchmal nur einseitig gefordert? Würden Sie gern mal richtig komisch sein?
Die stimmlichen Voraussetzungen lenken einen ja in eine gewisse Richtung. Gut, die «Idomeneo»-Elettra ist nicht so umflort. Auch Mozarts Gräfin hat Witz. Aber mir machen all diese melancholischen Rollen Spaß....
