Gehobene Mittelklasse

Frankfurt | Cilea: Adriana Lecouvreur

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Manchmal weiß man nach den ersten Tönen, wie es wird. So bei Micaela Carosis Auftritt in der Frankfurter «Adriana Lecouvreur». Sage und schreibe einer Erstaufführung an diesem Hause und in dieser Stadt – recht merkwürdig angesichts eines durchaus berühmten, nicht wenig dankbaren Werkes. Da wird also, wie bei einigen Puccini-Opern, vor dem Erscheinen der weiblichen Titelfigur so etwas wie ein roter oder silbriger Klangteppich ausgerollt, eine wundervoll zart-gespinstige Instrumentalmusik, nicht die einzige sensible dieses auch mit orchestraler Beredtheit brillant umgehenden Komponisten.

Dann kommt zunächst eine kurze Sprechpassage, gefolgt von einer vokalen Attacke, die im Sprung in die Spitzenregion führt. Micaela Carosi ging das voller Verve und Mut an, bekam bei den ausgehaltenen Tönen dann aber sofort ein breites, fast nicht mehr kontrolliertes Vibrato, das einer merklichen Intonationstrübung gleichkam. Das wiederholte sich im Laufe des Abends und beeinträchtigte auch die mehr und mehr ins Lyrische sich wendenden Schlusspassagen des letzten Akts (nach dem Einatmen des tödlichen Blumengifts) mit seinen zärtlich-schmerzlichen Motivreminiszenzen. An auratischer Personalität blieb ...

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Opernwelt April 2012
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Hans-Klaus Jungheinrich

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