Puccini: Tosca

Halfing

Opernwelt - Logo

Diese Oper ist nicht unterzukriegen, nicht von prasselndem Regen, nicht von schimpfenden Vögeln, erst recht nicht von der Tatsache, dass der große ehemalige Reitstall von Gut Immling über ein zwar breites Portal, aber weder über Schnürboden noch über Seitenbühnen oder andere Technik verfügt.

So hat Ve­rena von Kerssenbrock nicht nur schöne, Historie und Moderne verquickende Kos­tüme entworfen, sondern sich für ihre «Tosca»-Inszenierung einen perspektivisch verkürzten surrealen, Tiefe vortäuschenden Raum aus Giorgio-de-Chirico-Arkaden gebaut, der von einem Spinnennetz zusammengehalten und ­einem großen Stufenaltar mit weißem Kreuz in der Mitte dominiert wird. Dort hängt das Bild der Schönen mit den braunen ­Augen, die Cavaradossi malt, dort wird eine bluttriefende Guillotine sichtbar, wenn Tosca dieses Bild herunterreißt. Und dort wird sie auch in den Tod springen.
Ansonsten entfacht die Regisseurin viel Aktion. Selten haben Cavaradossi und Tosca so engen Körperkontakt, spielen sie das Verliebtsein eines jungen Paars so ausgiebig wie hier. Und auch der geile Polizeichef legt nicht nur einmal Hand an die be­rühmte Sängerin. Doch das ist Verena von Kerssenbrock nicht genug, sie setzt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2005
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 54
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
Weitere Beiträge
Oper als kultureller Brennpunkt

Monsieur Foccroulle, wenn Sie die dreizehn Jahre Ihrer Intendanz am Théâtre La Monnaie Revue passieren lassen – was war für Sie die wichtigste Erfahrung dieser Zeit?
Zweifellos die Uraufführung neuer Stü­cke. Die Entstehung eines Werks von der ersten Idee bis zur Bühnenreife zu begleiten, der Dialog mit Komponisten, Lib­rettisten und Regisseuren über etwas, das nie...

Wahn und Wirklichkeit

Ein Blackout der Lichtsteuerungsanlage, ein von Bronchitis geplagter Cavaradossi, eine Zuschauerin, die in Ohnmacht fiel – das waren die Begleitumstände für eine «Tosca»-Premiere, die es in sich hatte. Dass der in seinen theatralischen Aktionen dicht gedrängte Psychothriller doch noch künstlerisch überzeugen konnte, lag am insgesamt tüchtigen Ensemble, an Johannes...

Schillings: Mona Lisa

Das Lächeln der Mona Lisa, schon mehr als einmal hat man ihm erotische Motive unterstellt. So auch in Max von Schillings’ einstiger Erfolgsoper «Mona Lisa», die das Staatstheater Braunschweig in mustergültiger musikalischer Interpretation wieder hervorholte. Bewusst wurde der Nazi-Günstling hier in die Reihe der als «entartet» verstoßenen Komponis­ten von Korngold...