Psychothriller
Henry James’ «The Turn of the Screw» gehört zu den rätselhaftesten und zugleich faszinierendsten Erzählungen der Weltliteratur. James entfaltet mit geradezu kriminalistischer Spannung die gespenstische Atmosphäre in einem englischen Landhaus, ohne dem Leser am Ende eine Lösung zu bieten.
Sind es die beiden elternlosen Kinder Miles und Flora, die von den Geistern zweier Verstorbener verfolgt werden? Oder ist es ihre junge Gouvernante, die ihre eigene verklemmte Fantasie in ihre beiden Zöglinge hineinprojiziert? Auch Brittens kongeniale Vertonung beantwortet die Frage nicht, verschiebt aber durch die Tatsache, dass bei ihm die Stimmen der Verstorbenen nicht nur erklingen, sondern der ehemalige Hausdiener Peter Quint und die frühere Erzieherin Miss Jessel als Untote tatsächlich auftreten, die Gewichte beträchtlich.
Auch Immo Karaman entscheidet sich nicht zwischen Einbildung und Wirklichkeit und inszeniert Brittens Stück als Psychothriller. Subtil greift er mit seiner ausgefeilten Personenregie die erzählerische Technik der Vorlage auf, die Schraube der Handlung so lange zu (über)drehen, bis sie bricht. Dazu benutzt er auf virtuose Weise den Raum, den ihm Kaspar Zwimpfer gebaut hat – ...
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Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Uwe Schweikert
Kaiser Leopold II., lässt Peter Shaffer den Salieri in «Amadeus» sagen, habe «die Ohren eines Rindviehs». Ob dies auch auf Leopolds Gemahlin Maria Luisa zutraf, die über «La clemenza di Tito» das bekannte Urteil der «porcheria tedesca» fällte, entzieht sich unserer Kenntnis. Vielleicht meinte die Spanierin damit nicht, wie allgemein angenommen wird, Mozarts Musik;...
Kaum vorstellbar, dass das Stück zu Zeiten seiner Uraufführung knapp an mehreren Skandalen vorbeischrammte. So musste Boris Blachers «Preußisches Märchen», eine originelle Variante auf das «Hauptmann von Köpenick»-Thema, wegen seiner Kritik an Militarismus und Obrigkeit erst mehrere Parlamentsdebatten und Textabschwächungen durchstehen, bevor es zur Uraufführung...
In einem Brief an den Philosophen Rudolf Pannwitz beklagte Hugo von Hofmannsthal, in der «Ariadne»-Oper habe Richard Strauss «das Zarte vergröbert, das Geistige überhört, das Geistreiche herabgezogen». Bei seiner Hamburger Inszenierung von «Ariadne auf Naxos» war es nicht das erste Ziel des Regisseurs Christian Stückl, den Primat des Geistreichen wiederherzustellen...
