Politshow
Von allen Werken Wagners bereitet der «Lohengrin» heute die größten Schwierigkeiten. Wagner hat hier ein Bündel an Motiven – Künstlerdrama, Polit-Parabel, Utopie einer herrschaftsfreien Gemeinschaft – zum Weltanschauungstheater vereint. Die ideologische Umpolung in der jüngsten Vergangenheit, bis hin zur Gleichsetzung des Schwanenritters mit Hitler, drohte das Stück vollends zu diskreditieren – umso mehr, als nicht nur der Stoff, sondern auch die Musik mit ihren Fanfaren und Aufmärschen zum Missbrauch einlud.
Tilman Knabe ist in seiner Deutung des Stücks am Mannheimer Nationaltheater nicht der Versuchung erlegen, sich auf die Seite des Rein-Menschlichen zu retten, sondern hat sich der szenisch nur schwer entwirrbaren Gemengelage von Ideologie und Politik
gestellt. Sein «Lohengrin» spielt in der Mediendemokratie von heute – in einem Fernsehstudio, in dem sich die Protagonisten theatralische Redegefechte liefern. Das mitspielende Volk ist auf die Zuschauerbänke verwiesen – es akklamiert, johlt, lacht und dies in einem Ausmaß, das immer wieder die Grenzen des musikalisch Zulässigen überschreitet und am Ende des ersten Akts in ein kollektives Besäufnis ausartet, bei dem Konfettiregen ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Uwe Schweikert
Frau Moses, Sie sind 2009 in Dessau mit dem Anspruch eines politischen Musiktheaters gestartet. Was haben Sie inzwischen bewirkt?
Unser Ziel war es, das bürgerliche Bewusstsein der Menschen hier, das 1989 einmal kurz und heftig aufflackerte, wieder aus der Resignation zu erwecken. Ob uns das nachhaltig gelungen ist, muss die Zeit zeigen. Aber schon aus der Art, wie...
«Die Geburt des Films aus dem Geist der Musik» hat Theodor W. Adorno aus der Musik Richard Wagners herausgehört, frei nach Nietzsche. Das Thema Wagner und Film erscheint aber breiter, umfassender, so dass es in dem 400-Seiten-Band, der aus einer Dissertation hervorging, nur als einer von mehreren möglichen Aspekten aufscheint. Das macht die Autorin Sabine Sonntag...
Der Not gehorchend, aber alles andere als eine Notlösung: Weil der Orchestergraben keine 77 Musiker fasst, hat sich Hausherr Martin Schüler für das 1908 erbaute Jugendstiltheater einen «Ring des Nibelungen» einfallen lassen, der etwas anders ist als alle anderen Aufführungen und dennoch Wagners Vorstellungen insofern entspricht, als in Cottbus tatsächlich einmal...
