Partnertausch und Schulverweis
Wagner im Klassenzimmer – die Idee hatte zuerst Peter Konwitschny, als er in Hamburg «Lohengrin» inszenierte. Auch im «Liebesverbot» geht es um die Jugend, konkret: um den Widerstreit jugendlicher Anarchie mit den Gesetzen der Sittenwächter. Ob das Stück, das Wagners Periode des «Jungen Deutschland» spiegelt, auch unter gänzlich veränderten Moralgesetzen aktuell ist, beantwortet Regisseur Georgios Kapoglou eindeutig mit «Ja».
Die Produktion des Festivals Junger Künstler Bayreuth konnte – dreißig Jahre nach einer ersten «Liebesverbot»-Produktion am Fuße des Hügels – ohne viel Schnickschnack beweisen, dass Wagners Jugendstück nicht allein aufgrund seiner unbekümmerten, stellenweise auch schon «echt Wagner’schen» Musik gespielt werden muss.
Indem der Regisseur die Handlung in die Zeit der sexuell befreiten Seventies (samt Protestdemo und Partnertausch) setzt, werden Wagners Handlungsbrüche logisch erklärt. Dass man sich so schnell ver- wie entliebt, ist schließlich das Privileg der Jugend. Auch Assoziationen an Musils «Törleß» kommen auf, da sich die Schüler in willkürlicher Autonomie selbst zu verwalten scheinen.
Vor allem aber ist die Produktion eine Plattform für den ...
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Historische «Anfänge» sind immer heikel. Nachdem Wolfram Steude 1991 einen Brief Heinrich Schütz’ vorweisen konnte, der zweifelsfrei belegt, dass dessen von Friedrich dem Großen vorsätzlich vernichtete «Dafne» (1627), «die erste deutsche Oper», überhaupt keine Oper war und weil Sigmund Stadens «Seelewig» (1644), die «erste erhaltene deutsche Oper» (siehe OW...
Im Foyer des Theaters an der Wien gleich neben dem Kartenbüro ist jenes Zimmer eingerichtet, in dem Beethoven wohnte, als er für den Direktor Schikaneder dessen Drama «Vestas Feuer» in Musik zu setzen suchte, und später, als er unter Schikaneders Nachfolger Zitterbarth am «Fidelio» für die Uraufführung des Werks im Jahre 1805 arbeitete.
Zweihundert Jahre danach bot...
Edgar Allan Poe hat es auf den Punkt gebracht: «Was das Publikum in einer Zeitschrift sucht, ist das anderswo nirgends Beschaffbare.» Das gilt auch und gerade für den Inseratenteil von Zeitungen. Keiner hat sich darüber lustiger gemacht als Gioacchino Rossini in seinem Dramma per musica «La gazzetta», frei nach Goldonis Stück «Il matrimonio per concorso», mit dem...
