Im Bauch des Löwen
Edgar Allan Poe hat es auf den Punkt gebracht: «Was das Publikum in einer Zeitschrift sucht, ist das anderswo nirgends Beschaffbare.» Das gilt auch und gerade für den Inseratenteil von Zeitungen. Keiner hat sich darüber lustiger gemacht als Gioacchino Rossini in seinem Dramma per musica «La gazzetta», frei nach Goldonis Stück «Il matrimonio per concorso», mit dem er den Neapolitanern 1816 seine Fähigkeiten als Opera-buffa-Komponist einmal mehr unter Beweis stellte.
Der neureiche neapolitanische Kaufmann Don Pomponio, der sich mit seiner Tochter gerade in Paris aufhält, will für sie eine gute Partie ergattern. Also gibt er in einer Tageszeitung ein Inserat auf, um für die lebenslustige Lisetta, die sich heimlich mit dem Wirt Filippo verlobt hat, einen Mann zu finden. Die großspurig pikante Anzeige amüsiert ganz Paris, insbesondere die Gäste des Hotels, in dem man wohnt, allesamt Beziehungssuchende: Väter, Töchter, Söhne, Wichtigtuerinnen wie Madama La Rosa oder der klatschsüchtige Lebemann Monsú Traversen. Ein Verwirrspiel der Interessen und Gefühle, vor allem im türkischen Maskenfest des zweiten Aktes. Ein köstliches Stück, dessen sechzehn reiche musikalische Nummern von ...
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Im Foyer des Theaters an der Wien gleich neben dem Kartenbüro ist jenes Zimmer eingerichtet, in dem Beethoven wohnte, als er für den Direktor Schikaneder dessen Drama «Vestas Feuer» in Musik zu setzen suchte, und später, als er unter Schikaneders Nachfolger Zitterbarth am «Fidelio» für die Uraufführung des Werks im Jahre 1805 arbeitete.
Zweihundert Jahre danach bot...
Die Regel scheint sich immer mehr zu bewahrheiten: Wenn Olivier Py im Genfer Grand Théâtre inszeniert, ist Provokation vorprogrammiert. Bereits die Kreuzigungsszene in «Damnation de Faust» hatte im Publikum heftigen Protest entfacht. Im Fall des neuen «Tannhäuser» bahnte sich gar, wollte man einigen Medien Glauben schenken, ein handfester Skandal an. Py hatte für...
Ein Gespenst geht um in der Opernszene. Es hört auf einen alten Begriff, den es verzerrt: Aktualität. Als sich Calixto Bieito kürzlich in Berlin an «Madame Butterfly» vergriff, verlegte er die Handlung in ein Etablissement für Sextourismus. Die Aufführung zu rezensieren, lohnt sich nicht, da sie nur ein weiteres Beispiel für die Guinness-Buch-verdächtige Fähigkeit...
