Im Bauch des Löwen

Das Rossini Festival in Pesaro vertreibt den «Barbiere» aus Sevilla, gräbt das Melodramma «Bianca e Falliero» aus und beschwört die Welt der Farce

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Edgar Allan Poe hat es auf den Punkt ­gebracht: «Was das Pub­likum in einer Zeitschrift sucht, ist das anderswo nirgends Beschaffbare.» Das gilt auch und gerade für den Inseratenteil von Zeitungen. Keiner hat sich darüber lustiger gemacht als Gioacchino Rossini in seinem Dramma per musica «La gazzetta», frei nach Goldonis Stück «Il matrimonio per concorso», mit dem er den Neapolitanern 1816 seine Fähigkeiten als Opera-buffa-Komponist einmal mehr unter Beweis stellte.

Der neureiche neapolitanische Kaufmann Don Pomponio, der sich mit seiner Tochter gerade in Paris aufhält, will für sie eine gute Partie ergattern. Also gibt er in einer Tageszeitung ein Inserat auf, um für die lebenslustige Lisetta, die sich heimlich mit dem Wirt Filippo verlobt hat, einen Mann zu finden. Die großspurig pikante Anzeige amüsiert ganz Paris, insbesondere die Gäste des Hotels, in dem man wohnt, allesamt Beziehungssuchende: Väter, Töchter, Söhne, Wichtigtuerinnen wie Madama La Rosa oder der klatschsüch­tige Lebemann Monsú Traversen. Ein Verwirrspiel der Interessen und Gefühle, vor allem im türkischen Maskenfest des zweiten Aktes. Ein köst­liches Stück, dessen sechzehn reiche musikalische Nummern von ...

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Opernwelt November 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Dieter David Scholz

Vergriffen
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