Papier - und Marthalers Geist

Opernwelt - Logo

Ein Mann in Schwarz reißt ein Stück aus einer Wand aus weißem Papier, formt es zu einer «Fliege» und schnürt es um seinen Hals. Mit einem anderen Ausriss fingiert er ein Notenblatt, fixiert es auf dem Klavier und beginnt, presto, die Ouvertüre zu «Le nozze di Figaro». Dramatis personae erscheinen und formen weitere der Wand entrissene Papierfetzen mit viel Fantasie zu Requisiten und Kostümteilen.
«Aus Papier kann man nach Belieben alles erschaffen.

Gleichzeitig ist es ein sehr zartes Material, verletzlich wie menschliche Gefühle», erklärten Elena Artiouchkina und Etel Ioshpa aus Russ­land ihr Inszenierungskonzept von Mozarts «Le nozze di Figaro», das beim Grazer «ring.award.05» mit zwei Preisen – jenen der Intendantenjury und der «Arts Administration Jury» der Universität Zürich – ausgezeichnet wurde. Zur Disposition stand freilich bloß der zweite Akt mit den Turbulenzen um Cherubino und seinem Versteck im Kabinett, hier mit Hilfe eines Papierbogens als vermeintliche Tür inspiriert gelöst (die Ouvertüre war Zugabe zur Verdeutlichung des Konzepts, das von jungen Singdarstellern des Wagner-Verbandes Hannover mit sicht- und hörbarer Freude realisiert wurde).
Zum vierten Mal fand dieser ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2005
Rubrik: Magazin, Seite 23
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Glück im Unglück

Zu seinen Lebzeiten war das Teatro La Fenice Richard Strauss sehr zugetan. Man spielte schon kurz nach den Uraufführungen «Die Frau ohne Schatten», «Elektra», «Salome» und «Rosenkavalier». Das ganze 20. Jahrhundert über war Strauss’ Musik in Venedig präsent wie das Werk keines anderen deutschen Kom­po­nisten – ausgenommen die Opern Ri­chard Wagners. In dieser...

Wagner: Das Rheingold

Seht her, scheint Christine Mielitz der kränkelnden Kulturnation zuzurufen, was das deutsche Stadttheater doch alles kann – wenn man es nur machen ­lässt. Nicht nur mit ihrem legendären Meininger «Ring» (siehe OW 06/2004) stellte sie das kreative Potenzial der so genannten Provinz spektakulär unter Beweis. Auch in Dortmund, ihrer neuen künstlerischen Heimat, setzte...

Prokofjew: L'Amour des trois Oranges

Das häufige Erscheinen in den Spielplänen und die Beliebtheit von Sergej Prokofjews «Liebe zu den drei Orangen» beweist, wie groß das Bedürfnis nach Opernheiterkeit ist. Diesem Verlangen kommt das Stück in vier Akten und zehn Bildern nebst Prolog perfekt nach. Buffawitz, Ironie, turbulente Vorgänge, Tempo, Spontaneität beherrschen die Bühne. Nur keine Psychologie,...