Overkill
Ein paradoxes Stück, dieser «Mazeppa». Schaurig schön. Bedrängend und berührend, elegisch und explosiv. Unmöglich, sich der zwitterhaften Musik zu entziehen: halb Choroper, halb lyrisches Drama, mit einer symphonischen Battaglia vor dem düsteren Finale. In der zweiten seiner drei Puschkin-Opern nimmt Tschaikowsky kein Blatt vor den Mund: Gewalt und Leidenschaft, Liebe und Hass prallen in dem 1884 (fünf Jahre nach «Eugen Onegin» und sechs Jahre vor «Pique Dame») uraufgeführten Dreiakter ungebremst aufeinander.
Ein unter musikalischer Hochspannung stehendes Histo-Märchen zwischen Folklore und Fanfare, Fatum und Fanal.
Eine zwielichtige Figur, dieser Mazeppa. Bandelt mit einer Jungfrau (Maria) an, die seine Enkelin sein könnte. Lässt deren schwerreichen Gutsherrenvater (Kotschubej) foltern und umbringen, als der sich gegen ihn stellt. Knallt Marias Verehrer (Andrej) ab, als er spürt, dass alles verloren ist – nicht nur das große Glück, sondern auch der Aufstand seiner ukrainischen Kosaken gegen den russischen Zaren. Kaltblütige Führernatur, Befreiungskämpfer, Warlord, Verräter, Hasardeur, aber auch ein Romantiker mit empfindsamem Herz. Tschaikowsky findet dafür betörende Töne: Gerade ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2013
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Albrecht Thiemann
Es war sicher nicht nur Bewunderung, die Richard Wagner für Gaspare Spontini hegte. Man spürt auch leise Ironie, wenn der Sachse in seinen Erinnerungen «Mein Leben» von den Begegnungen mit dem fast vier Jahrzehnte älteren Star des Opernbetriebs aus Italien spricht – der Erfolg der anderen war ihm nicht selten suspekt.
Dem Erfolg jedoch sollte keine Nachhaltigkeit...
Ein schlichter Mönch, der Chronikschreiber Pimen, hat das Wissen um die Katastrophen Russlands in der Hand, wie sie in Mussorgskys gewaltigem «Boris Godunow» aufscheinen: «Es zieht Vergangenheit an mir vorüber – bewegt, so wie ein Meer, ein Ozean...» Mussorgsky, der Historiker unter den Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts, verwandelt das wirre Panorama seines...
arte
1.4. – 1.35 Uhr
Gustavo Dudamel.
Antrittskonzert beim Los Angeles Philharmonic Orchestra 2009. Werke von Mahler und Adams.
1.4. – 6.00 Uhr (1)
3.4. – 6.05 Uhr (2)
4.4. – 6.05 Uhr (3)
Festival d’Aix-en-Provence.
1. Navarra String Quartet. Werke von Viardot, Bellini, Britten, Ibert und Ravel. 2. Arirang-Quintett, Navarra String Quartet. 3. Mozart-Konzert. Mit Mari...
