Oper spielen, um «normal» sein zu können
Frau Munitz, «A Journey to the End of the Millennium», das von Ihnen initiierte Auftragswerk zum zwanzigjährigen Bestehen der Israeli Opera, bezieht seinen dramatischen Impetus aus unterschiedlichen kulturell-religiösen Haltungen abend- und morgendländischer Juden, Ashkenasen und Sepharden, einem der grundlegenden Konflikte des Judentums.
Nicht nur der Konflikt, auch die Erinnerung an integrative Momente ist wesentlich. Die Handlung spielt ja um die erste Jahrtausendwende westlicher Zeitzählung.
Damals gab es in Nordafrika, im Maghreb, eine blühende jüdische Gemeinde, die mit den arabischen Muslimen in bestem Verhältnis lebte, geschäftlich und privat. Mit ihnen teilten die Sepharden jene wundervolle Poesie, die mit dem Namen «Goldenes Zeitalter Spaniens» verbunden ist.
Die Andeutung dieser künstlerisch so grandiosen Tradition ist wohl auch ein Seitenhieb des aus einer sephardischen Familie stammenden Dichters und Librettisten A. B. Yehoshua auf die Überheblichkeit der Ashkenasen und einer abendländischen Kultur, die sich zu jener Zeit ja eher durch Striktheit, ja Engstirnigkeit auszeichnete.
Die kleinen jüdischen Gemeinden in Zentraleuropa waren hinsichtlich ihrer Religiosität ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Seine Utopie» nennt Stéphane Lissner die Kooperationen mit den großen europäischen Musikbühnen als Teil von gesamteuropäischen Opernprojekten. Sie bilden eine Spindel auch des Programms der Wiener Festwochen. Seit diesem Jahr ist Lissner Musikdirektor der Wiener Festwochen und wird es, so heißt es zumindest im Moment, da dies geschrieben wird, trotz seiner...
Hochdramatische leben gefährlich. Diese Erfahrung hat Ute Vinzing Anfang der siebziger Jahre bei einem Gastspiel als Senta in Düsseldorf machen müssen. Nachdem der Sänger des Holländers nach seinen Schlussworten in die Unterbühne abgefahren worden war, sollte Senta bei ihrem Todessprung denselben Weg nehmen – aber irgendetwas in der Technik klemmte: Die...
Bei der Uraufführung einer Rameau-Oper, so ist überliefert, rügten einst die Orchestermusiker, sie seien mit der Wiedergabe der komplexen Partitur derart beschäftigt, dass ihnen nicht einmal die Zeit zum Schnäuzen bleibe. Auch die Kieler Philharmoniker dürften sich gehörig gefordert gefühlt haben, als sie sich unter dem ebenso kenntnisreichen wie befeuernden...
