Ohne Sentimentalität
Christian Gerhaher hat in Kanada mit Kent Nagano und dem Orchestre symphonique de Montréal die «Lieder eines fahrenden Gesellen» erstmals in der Orchesterfassung eingespielt, außerdem die «Kindertotenlieder» und «Rückert-Lieder». Die neue CD ist gleich zweimal erschienen. Einmal einzeln, einmal als Teil einer Sammler-Edition mit dreizehn CDs. Die Gerhaher-Box enthält auch die Aufnahme der «Gesellen»-Lieder mit dem Ensemble Hyperion von 2003, in Arnold Schönbergs Bearbeitung für Kammerensemble – eine Gelegenheit zum Vergleich.
Dürften wir nur ein einziges Attribut vergeben, würden wir sagen: Die Interpretation ist pessimistischer geworden. Schon der Einstieg in «Wenn mein Schatz Hochzeit macht» ist verhaltener als auf der früheren Aufnahme, desgleichen der Mittelteil «Blümlein blau!»: In der Kammerversion gönnt Gerhaher dem lyrischen Ich das selige Erleben der Erinnerung, während er es unter Nagano in die Resignation eines Verlassenen eintaucht. Dunkle Melancholie überschattet auch das zweite Lied, «Gieng heut’ Morgen übers Feld», dessen letzte Verse «Nun fängt auch mein Glück wohl an? Nein, nein, das ich mein’, mir nimmer blühen kann!» immer mitschwingen. Der Schluss ist ...
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Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Wiebke Roloff
Singen sei, so verfügte einst der hier stellvertretend zitierte William James Henderson («The Art of Singing»), die «Interpretation eines Textes mit Tönen, die von der menschlichen Stimme produziert werden». Henderson fügte hinzu: mit «schönen» Tönen – womit immer auch die dramatisch richtigen gemeint sind. Singen wird hier, als verstünde sich dies von selbst, mit...
Wer allein die Musik dieses wahnwitzigen Stücks hört, diese priapistische Dauerspannung, diesen «Strawinsky auf Koks», blech- und perkussionsgesättigt, von elektrisierender, großstädtischer, aber auch leerlaufender Betriebsamkeit – wer also nur die tönende Energetik von Prokofjews «Spieler» wahrnimmt, erfährt schon viel von der Gesellschaft im Petrograd des Jahres...
Auf die Knie gefallen ist er dann doch nicht. Das machen ja Pfauen auch nicht. Aber immer wieder müsse er Dank sagen für etwas, das er so noch nie im Opernhaus gesehen habe, preist Ioan Holender im Bonus-Track, es ist eine seiner «kulTour»-Sendungen auf Servus-TV. Die drehte sich um Michael Haneke und ist auf dieser Doppel-DVD Zugabe: ein bisschen Making-of, ein...
