Kein Fünkchen buffa
Auf die Knie gefallen ist er dann doch nicht. Das machen ja Pfauen auch nicht. Aber immer wieder müsse er Dank sagen für etwas, das er so noch nie im Opernhaus gesehen habe, preist Ioan Holender im Bonus-Track, es ist eine seiner «kulTour»-Sendungen auf Servus-TV. Die drehte sich um Michael Haneke und ist auf dieser Doppel-DVD Zugabe: ein bisschen Making-of, ein bisschen Selbstdarstellung, vor allem aber ein Interview mit dem Oscar-Preisträger. Im Februar 2013 brachte Haneke in Madrid «Così fan tutte» heraus (siehe OW 4/2013).
Mozart als Dauer-Verstörung, eine Geschichte, die von einem schwarzen Loch ins nächste stürzt: kein Fünkchen Buffa, nirgends – womit eine Dimension des Stücks negiert wird.
Es scheint, als habe Hanekes zweite Opernregie mit dem DVD-Mitschnitt erst ihre Erfüllung gefunden. Wie extremistisch genau Haneke gearbeitet hat, erschließt sich hier. Die Kamera verliebt sich in die Gesichter der drei Paare, saugt sich an ihren Reaktionen fest. Die meisten Einstellungen – die im Spiegel verdoppelte Fiordiligi, allmähliche Verschiebungen der Schärfestufen, entlarvende Schnitte und Gegenschnitte, Mienenspiele im warmen Kerzenlicht –, haben Kino-Qualität. Man glaubt kaum, ...
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Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 19
von Markus Thiel
Im Februar 2013 hat Nina Stemme in ihrer Heimat Schweden ein furioses Debüt als Turandot gegeben (OW 4/2013). Im Dezember ist sie zurückgekehrt, um zum ersten Mal als Salome auf der Bühne der Königlichen Oper in Stockholm zu stehen. Spätestens seit der Barcelona-Produktion von 2009 ist sie eine der gefragten Stimmen für die heikle und anspruchsvolle Partie und...
Er ist ein unsympathischer Held, dieser Phaéton. Selbstverständlich haben Jean-Baptiste Lully und sein Librettist Philippe Quinault in ihrer letzten mythologischen Oper die Fabel aus Ovids «Metamorphosen» mit einer Liebesgeschichte dekoriert. Doch zum Liebhaber taugt der Bastard des Sonnengottes rein gar nicht. Théone lässt er links liegen, als sich die Gelegenheit...
Ein Broadway-Klischee jagte das nächste, kaum ein Witz, der dem Publikum einen matten Lacher entlockt hätte: Die Neuproduktion der «Fledermaus» von Jeremy Sams (Regie) und Douglas Carter Beane (Neufassung des Librettos) an der New Yorker Met besaß, man kann es nicht anders sagen, den Charme eines misslungenen Soufflés. Obendrein servierte sie, (kultur-)historisch,...
