Offensivkünstler, Vaterfigur, Gottsucher
Ein Haus mit der Nummer 15. Daneben die 20. Dann wieder eine niedrige Hausnummer. So springt das hin und her, in St. Georgen im Attergau. Wer soll das durchschauen? Und doch hat die mysteriöse Zählung System, hier in diesem Ortsteil unweit des Attersees, in dem noch das Rauschen der österreichischen Westautobahn zu hören ist. Denn hier herrscht noch ein altes, ehrwürdiges Dorfprinzip. Je betagter das Anwesen, desto niedriger die Hausnummer – bis hinab zum ältesten, zu seinem. Nikolaus Harnoncourt wohnte in der Nummer 1.
Etwas knifflig war es für den Erstbesucher, zu diesem ehemaligen Pfarrhaus zu finden, dessen elektrisches, leise summendes Hoftor immer wie eine bizarre Pointe wirkte im Vergleich zum verwunschenen Charme des Gemäuers. Wie eine Folge eben jenes so besonderen Harnoncourt’schen Humors, den auch der Gast gelegentlich zu spüren bekam: «Schön, dass Sie Zeit für ein Gespräch haben.» – «Wie kommen Sie darauf, dass ich Zeit habe?»
Die hatte er eigentlich nie. Was stimmte, wenn er von seinen Interessen erzählte, die oft gar nichts mit Musik zu tun hatten und dann irgendwie doch. Ein Interview? Erst einmal in die Werkstatt. Fein säuberlich aufgereiht dort die Holzstühle, ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Abschied, Seite 28
von Markus Thiel
Nicht alles, was auf den ersten Blick glänzt, ist von bleibendem Wert. Und nicht alles, was zunächst trübe wirkt, bleibt dauerhaft im Schatten. Als die Deutsche Oper Berlin 2012 «Jenufa» herausbrachte, überwogen gemischte Gefühle (siehe OW 4/2012). Dirk Beckers aseptisch leerer Weißraum, in dem Christof Loy die Tragödie ganz aus dem inneren Drama der Küsterin...
Es ist was Furchtbares passiert. Meine erste eigene Inszenierung hatte Premiere. Natürlich dachte ich, es läuft auf das Übliche hinaus, also ein Ergebnis im Bereich des Mittleren bis Mäßigen oder meinethalben Miesen. Dann könnte ich die Aktion als Abenteuer verbuchen und weitermachen wie bisher: an netten Häusern Randpartien mimen. Und schöne Summen kassieren...
Den Engländern kann man nicht trauen, was Humor betrifft. Ihr Sinn für denselben ist zwar weltberühmt, aber auch ein sehr spezieller. Jedenfalls nicht kompatibel mit dem der Franzosen – der Ansicht jedenfalls scheint Regisseurin Mariame Clément zu sein, die jetzt in Covent Garden die erste Aufführung von Emmanuel Chabriers Opéra bouffe «L’Étoile» auf der Insel...
