Aus dem Leben eines Taugenichts
Es ist was Furchtbares passiert. Meine erste eigene Inszenierung hatte Premiere. Natürlich dachte ich, es läuft auf das Übliche hinaus, also ein Ergebnis im Bereich des Mittleren bis Mäßigen oder meinethalben Miesen. Dann könnte ich die Aktion als Abenteuer verbuchen und weitermachen wie bisher: an netten Häusern Randpartien mimen. Und schöne Summen kassieren dafür, dass ich mir gemütlich kaffeetrinkend den Allerwertesten plattsitze, während die Hauptrollen sich ihren aufreißen.
Jetzt geht der meine mir auf Grundeis. Denn dummerweise hat der Abend den Leuten gefallen.
Schlimmer: Ich soll noch mal. Natürlich kann das einfach Pech gewesen sein. Trotzdem muss ich mir jetzt ernsthaft Gedanken machen, ob das eine Perspektive wäre. Und das klingt nach mehr Arbeit, als mir lieb ist. Das Regieführen sowieso – aber auch das Gedankenmachen. Ich kenn mich ja. Das wird ein Vollzeitjob mit Nachtschichten.
Mal ehrlich: Ich dümple hier gemütlich im Herbst meiner Gesangskarriere rum, völlig unbehelligt vom Zwang, große Pläne zu schmieden und mich zu verkaufen. Mein Ehrgeiz schlummert wie warme Kohlen im weichen Aschebett, soll ich die wirklich noch mal anpusten? Schon gut – ich weiß, ich hab mich ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Mal ehrlich, Seite 69
von Christopher Gillett
Glöckchentöne einer Celesta. Gläserne Klangschlieren. Aus höchsten Fernen, raffiniert gemischt. Im ersten Moment ist kaum auszumachen, dass hier Piccoloflöten schwirren und Violinen flirren. So geht es los. Bald setzt die Stimme ein, behutsam, tastend, auf ruhigem Atem. «Let me tell you how it was», singt Barbara Hannigan, jeden Laut wägend, als suche ihr lyrisches...
Einer Ihrer Kollegen sagte einmal, 79, 80, 81, das sei ihm eigentlich egal.
Mir nicht. Am liebsten wäre mir 39, meinetwegen 49.
Sie haben, so schilderten Sie es einmal, früher am Pult wilde Bewegungen vollführt. Wann legt man das ab?
Mein Wiener Lehrer Hans Swarowsky hat mich einmal bei der «Kleinen Nachtmusik» beobachtet und gefragt: «Was machen Sie eigentlich, wenn...
Eigentlich ist diese Partitur eine komponierte Frechheit. Wenn Isabella, die weibliche Hauptfigur, sich aufregt («Allegro molto feroce»), dann soll sie innerhalb kürzester Zeit mehr als zwanzigmal das hohe a singen, dazu noch das hohe b und das hohe h – ohne dass die Stimme sich dazwischen entspannen könnte, ohne melodisch zwingende Phrasen. Nicht einmal ein...
