Oberflächenreize
Niemand wird widersprechen: Der neue «Figaro» an Covent Garden sieht so gut aus, wie er klingt. Die Verwandlungen sind atemberaubend geschickt, das Dirigat ist elegant, die Besetzung gut. Jeder scheint zufrieden nach Hause zu gehen, oder? Nicht ganz. Denn es gibt ein Loch im Herzen dieses Abends, eine Kluft zwischen Ideen und psychologischem Verständnis. Szenischer Oberflächen-Chic siegt über eine echte Interpretation. Wir bekommen keinerlei Hinweis darauf, weswegen etwa das Stück in seiner Zeit so brandstifterisch wirkte. Und was es uns heute noch zu sagen hat.
Man denkt zurück an David McVicars Inszenierung von Mozarts «Idomeneo» an der Scottish Opera, mit der er sich vor so manchen Jahren seinen Namen machte. Und man fragt sich, was mit seinem Einfallsreichtum, der ihn Mozart damals so frisch sehen ließ, passiert ist. Dabei ist sein handwerkliches Geschick zweifellos gereift. Mühelos füllt er Breite und Tiefe von Tanya McCallins «Ancien Régime»-Bühne mit Aktion, lässt die Komödie und ihre Charaktere sich gekonnt entwickeln. Es gibt einen Haufen von Statisten, alle sinnvoll ins Geschehen integriert – bereits zur Ouvertüre, als die Bediensteten das sichtlich heruntergekommene ...
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Don Giovanni weigert sich zu bereuen. Das treibt ihn in den Untergang. Normalerweise. Nicht so in Regensburg, wo Angela Brandt ihn als alle Grenzen überschreitenden Libertin vorstellt. Viel von seiner erotischen Ausstrahlung bleibt dabei auf der Strecke. Eine Bestrafung würde hier ins Leere zielen; sie findet daher nicht statt. Beim Schlusssextett winkt Don...
Seltsam, dieses Nachleben von «La clemenza di Tito». Es blieb über mehr als zweihundert Jahre ein permanentes Hin und Her zwischen beliebt und vergessen. Dass diese Oper ausgerechnet im Mozart-Jahr 2006 von zahlreichen Bühnen wieder lebhaft in Erinnerung gebracht wird, zeugt ebenso von einem gewissen Nachholbedarf wie die Tatsache, dass der «Titus» nahezu...
Kaum war im Herbst 2004 bekannt gegeben worden, dass Sony Classical Chef Peter Gelb die New Yorker Metropolitan Opera übernimmt, arbeitete die Gerüchteküche auf Hochtouren: Der neue General Manager werde das Heiligtum entweihen (riefen selbsternannte Tempelhüter), das Hohe Haus gar mit Musicals kommerzialisieren, um schnelle Dollars zu machen. Den Ausverkauf der...
