Not macht erfinderisch
Ein Wunder, ein Wunder, ein Wunder», ruft die Menge in Richard Wagners «Lohengrin», als der Gralsritter auf dem Schwan dahergeschwommen kommt. Ein Wunder brauchte auch das Konzert Theater Bern, als man sich letztes Jahr unverhofft mit einer Panne konfrontiert sah. Seit 2014 wird der neoklassizistische Bau umfassend renoviert (Kostendach: 45 Millionen Schweizer Franken). Eigentlich sollten sich die Arbeiten auf die Spielzeitpausen beschränken.
Doch wie vielerorts konnte auch in Bern der Zeitplan nicht eingehalten werden: Im Januar 2015 stand fest, dass man das Theater von März bis Oktober 2016 würde schließen müssen. Um den Betrieb dennoch aufrechtzuerhalten, wurde 500 Meter weiter eine temporäre Ersatzspielstätte errichtet – geplant in weniger als einem Jahr, aufgebaut innerhalb von vier Wochen.
Jetzt steht der 1,8 Millionen Schweizer Franken teure «Theaterkubus» auf dem Waisenhausplatz im Zentrum der Altstadt. Während die mit der Stadttheaterfassade bedruckte Plastikblache, die die massive Gerüstkonstruktion ummantelt, repräsentative Pracht zitiert, dominiert im Innern des Kubus puristisches Schwarzweiß. Das weiträumige Foyer, das mit einer eigenen kleinen Bühne und einem 17 Meter ...
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Aus der Werkstatt, Seite 48
von Carmen Stocker
Jacopo Foroni gehört zu den vielen Vergessenen der Musikgeschichte. Den 1825 geborenen Italiener verschlug es nach der 1848er-Revolution nach Stockholm, wo er sich mit seiner Oper «Cristina, regina di Svezia» einführte, Hofkapellmeister wurde, aber schon 1858 an der Cholera starb. Man tut ihm keinen Gefallen, wenn man die 2007 in Göteborg erstmals wieder gespielte...
Von zart verstäubter Angst erfüllt wirken die ersten sechs der in diesem Recital versammelten Lieder. Angst vor dem Älterwerden, dem Unausweichlichen, Unwiederholbaren. Benjamin Britten schrieb diese «Songs from the Chinese» im Herbst 1957 (ein Jahr nach seinem Essay über musikalische Chinoiserien im Ballett «The Prince of Pagodas») für den Lebenspartner Peter...
Schon merkwürdig, wie routiniert, beinahe ungerührt die Musiker des Wuppertaler Sinfonieorchesters Lulu exekutieren. Der berstende Akkord, mit dem Berg ihr grausames Ende markiert, das zu einem schreienden Memento geschichtete Vertikalbild der Zwölftonreihe, die seiner Wedekind-Oper zugrunde liegt, kommt so verhalten, so beiläufig, als sei nichts passiert....
