Nordisch
«Man muss natürlich mit Kompromissen leben», sagt Vello Pähn. Seit August ist er Künstlerischer Direktor und Chefdirigent der «Rahvusooper Estonia», der estnischen Nationaloper in Tallinn. Zwanzig Jahre war Pähn auf Achse, gastierte vor allem in Westeuropa, auch in Japan und Amerika. Doch jetzt zog es den 54-Jährigen in die Stadt zurück, in der er aufwuchs und der er entscheidende Impulse als junger Chor- und Orchesterleiter verdankt.
Kompromisse – das bedeutet zum Beispiel: Die 94 Musiker des Opernorchesters und die 43 Mitglieder des Opernchores kommen ohne Zweit- oder Drittjobs nicht über die Runden. Nach wie vor liegen die Gehälter deutlich unter dem Niveau vergleichbarer Häuser in Westeuropa. Da kann man nicht jeden Abend Topleistungen erwarten.
Kompromisse – das heißt manchmal auch, den Solisten des 19-köpfigen Hausensembles Partien anzubieten, die für die jeweilige Stimme grenzwertig sind. Zum einen, weil die Mittel für Gäste sehr knapp sind (die 450 festangestellten Mitarbeiter müssen mit einem Jahresetat von 10,2 Millionen Euro auskommen, der – ein Unikum – direkt vom Parlament genehmigt wird). Zum anderen, um den eigenen Leuten die Möglichkeit zu geben, ihr vokales ...
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Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Albrecht Thiemann
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