Nahtoderlebnis
Nach Anthony Pilavachis außergewöhnlichem «Ring» in Lübeck durfte man gespannt sein. Tatsächlich wurde nun auch «Parsifal» ein für die Hansestadt bedeutendes Theaterereignis, das über regionale Grenzen hinweg auf Interesse stoßen dürfte.
Pilavachis Deutung beginnt mit einem szenischen Vorspiel, das am Schluss rahmend wiederkehrt: Dem sterbenden Parsifal wird die Herz-Lungen-Maschine abgestellt. Kundry, Amfortas, Klingsor und Titurel betrauern den scheinbar Toten.
Da plötzlich tritt, unsichtbar für die Anwesenden, seine unsterbliche «Seele» aus dem Körper heraus und durchlebt noch einmal die Vergangenheit: die erste Begegnung mit dem Gral, die Versuchung durch Kundry, die anschließenden Irrfahrten, endlich Amfortas’ Erlösung. Jetzt erst – und damit schließt sich der Kreis – kann die «Seele» eingehen in ein Reich des Lichts, das sich ganz konkret im Bühnenhintergrund auftut. «Parsifal» in der Rückblende, als Nahtoderlebnis.
Der Regisseur kleidet das alles in intensiv erzählte, oft überraschend originelle Bildwelten, die sich dennoch nicht allzu weit vom Stück entfernen. Spielort ist eine hell ausgeleuchtete Bühne (Ausstattung: Tatjana Ivschina), entwickelt aus dem Klinik-Ambiente des ...
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Opernwelt November 2012
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Gerhart Asche
Zum vierten Mal fand in diesem Jahr der Concours Ernst Haefliger statt. Der Namensgeber war zweifellos einer der vielseitigsten Tenöre des 20. Jahrhunderts: als Evangelist der Bach-Passionen ebenso berühmt wie als Mozart-Sänger und Interpret zeitgenössischer Werke. Nicht zuletzt war Haefliger ein bedeutender Gesangspädagoge. Bei der ersten Ausgabe des Wettbewerbs...
So einen Schluss gibt’s nicht noch mal im Musiktheater. Ein herzzerreißender instrumentaler Aufschrei auf einem Ton, fortissimo diminuendo; kantig hartes Schlagwerk, Rührtrommeln, ein erbarmungslos herausgestanzter Rhythmus, in Noten gesetzter Stechschritt. Das Ganze wie in Zeitlupe wegbröckelnd ins Nichts. Und in der Stille tut es alles dann erst richtig weh.
Sollt...
Wenn die Wirtschaft strauchelt und die Touristen wegbleiben, müssen sich Kulturschaffende, zumal in einer nicht gerade als kunstsinnig geltenden Nation wie Australien, umso stärker um Geldgeber bemühen und umso engagierter um ihr Publikum werben. So ist in den Opernhäusern die Zahl der Besucher zurückgegangen, besonders in Sydney, wo man aufgrund einer...
