Nachtstück
Es ist nicht so schlimm wie beim «Troubadour». Aber auch Verdis «Simon Boccanegra» erfordert einige Übersicht. Dass Liebe, Intrigen und Missverständnisse in ferner Vergangenheit wurzeln, wird den Figuren zum Verhängnis: Alle schauen wehmütig bis wütend zurück, anstatt sich um die Gestaltung der eigenen und der politischen Zukunft zu kümmern. Ganz besonders heikel wird es, wenn die Erklärungswut eines Regisseurs noch dazukommt. An der Dresdner Semperoper tappt dabei Jan Philipp Gloger in eine selbstgestellte Falle.
Was er sich als Verdeutlichung dachte, als Verbildlichung der Traumata, führt zu Verdoppelung und Verwirrung.
Gloger öffnet die Psychokiste, und heraus drängen Gespenster. Amelia als Kind, ihre Pflegerin als Hexe, Mutter Maria mit dem Messer an der eigenen Gurgel, der kleine Simon. Werden die Albdrücke singend beschworen, sind die stummen Doubles da, und Zauberlehrling Gloger wird ihrer nicht mehr Herr. Eine Inszenierung, die verdächtig an die Szenerien des Freud-Jüngers Claus Guth erinnert. Dabei kann Gloger auch anders. Das hat nicht nur sein geglücktes Operndebüt anno 2010 mit dem Augsburger «Figaro» bewiesen, das zeigen auch einige Szenen des Dresdner «Simon». Die ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Markus Thiel
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Rezensieren kann man dieses Buch eigentlich nicht. Es wird von seinem Autor als «Arbeitsbuch», an anderer Stelle als «subjektiv verfasstes Übungsbuch» bezeichnet. Beides trifft zu. Das heißt: Sängerinnen und Sänger sollten dieses Buch nehmen und die darin vorgeschlagenen Übungen ausprobieren – in der Gruppe oder im stillen Kämmerlein. Dann wird man den Wert der...
Glucks «Orfeo ed Euridice» ist nach dem Brüsseler «Parsifal» von 2011 die zweite Oper, die Sie inszenieren. Warum haben Sie sich erst so spät dieser Gattung zugewandt?
Unter allen Gattungen empfinde ich die Oper am stärksten als rückwärtsgewandt und konservativ. Sie stellt eine Welt ohne Sauerstoff dar, die in erstickender Weise an eine bestimmte Vorstellung von...
