Mythen-Staatsaktion
«Wie kann Babylon klingen?», hatte der Komponist Jörg Widmann sich selbst im Gespräch gefragt, mit einem Schuss Vorfreude und etwas Beklommenheit. Gemeint waren: die irrealen Klangbilder der mythischen Stadt zwischen Euphrat und Tigris zum einen, die realen Klänge der eigenen Oper zum andern. Lauter Rätselklänge? Schwierig und herausfordernd genug deren Entstehung: Die letzten Notate der riesenhaften Partitur, für die eigens das Dirigentenpult vergrößert werden musste, hat Widmann erst kurz vor der Hauptprobe losgeschickt.
Aber die Bayerische Staatsoper, die das Stück in Auftrag gab und die dem Großformat und dem historischen Prunk seit je zuneigt, hat die opulente «Oper in sieben Bildern» fast perfekt realisiert, Kent Nagano die dicht gestaffelten Orchesterklänge und Chorsätze diszipliniert zusammengehalten. Die wahrlich babylonische Bilderflut mit Massenaktionismus, Videoeinblendung, Farbklecksorgie, Computerspielerei haben Carlus Padrissa von der Bühnenzirkustruppe La Fura dels Baus und Bühnenbildner Roland Olbeter effektvoll in Szene gesetzt. An nichts, schon gar nicht an märchenhaften Kostümen (Chu Uroz), wurde gespart. Kurzum: «Babylon», Widmanns drittes Opernwerk, war als ...
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Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Wolfgang Schreiber
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